Angeklagter UBS-Banker
Der große Auftritt des Milliarden-Zockers

Er soll 2,3 Milliarden Dollar verzockt und das Schweizer Bankhaus UBS in die Verlustzone gerissen haben. Heute stand Kweku Adoboli dafür das erste Mal vor Gericht. Ein mit Spannung erwarteter Auftritt.
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LondonKweku Adoboli nennt mit fester tiefer Stimme nur Namen, Geburtsdatum und Adresse. Er trägt grauen Anzug, weißes Hemd und eine dunkle Krawatte und sitzt in einem Glaskasten im Gerichtssaal. Sein Auftritt dauert nur zehn Minuten. Am Ende wird Adoboli in Haft bleiben. Der Mann, der laut der Staatsanwaltschaft der Schweizer Bank UBS einen Schaden von 2,3 Milliarden Dollar (knapp 1,7 Milliarden Euro)zugefügt haben soll.

Am 20. Oktober muss Adoboli wieder vor dem Londoner Gericht erscheinen. Er ist des Betrugs und der Bilanzfälschung angeklagt. Es sollen nicht autorisierte Geschäfte gewesen sein, die ihn vor Gericht gebracht haben. Wobei Adoboli nach jüngsten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft wohl viel länger die UBS betrogen haben könnte, als das Bankhaus bislang eingeräumt hat - nämlich von Oktober 2008 bis Dezember 2010.

Adoboli war im Londoner Büro der UBS für den Bereich der Exchange Traded Funds zuständig, also für Börsenprodukte, die Aktienindizes wie den Dax abbilden. Der UBS droht nach Einschätzung von Analysten wegen der Affäre ein Verlust von 500 Millionen Schweizer  Franken (415 Millionen Euro) im dritten Quartal.

Anfangs soll sich Adobolis unlauteres Geschäft ausgezahlt haben, bis das alles aus dem Ruder lief. Heute tut dem einst stolzen jungen Banker alles sehr Leid, wie er über seinen Anwalt ausrichten lässt. Adoboli soll durch spekulativen Handel mit verschiedenen Aktienindexfutures des S&P 500, DAX und EuroStoxx die Milliarden der UBS verzockt haben.

Der Händler habe sein Portfolio nicht korrekt abgesichert, heißt es von der UBS. Und weiter: Die tatsächliche Dimension des Risikoengagements sei dadurch verschleiert worden, dass die Transaktionen zwar im System abgesichert wurden. Die Gegengeschäfte habe der Händler aber nur zum Schein getätigt, erklärte die Bank. Die fiktiven Gegengeschäfte hätten verdeckt, dass die von UBS gesetzten Risikoobergrenzen für den Handel mit den Indexfutures in Wahrheit überschritten wurden. Unklar ist bislang, wie sehr das Risikomanagement der Bank tatsächlich versagt hat.

Der 31-jährige Kweku Adoboli hat heute nicht erkennen lassen, ob er sich bei seinem nächsten Auftritt schuldig bekennen wird.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Angeklagter UBS-Banker: Der große Auftritt des Milliarden-Zockers"

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  • Wie jetzt??? Soll etwa die USB den Verlust allein tragen?

    Meine Meinung: dieser herbe Verlust der Bank muss sofort vom Steuerzahler ausgeglichen werden.

    Damit bliebe das System erhalten: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren.

  • Ich wage auch sehr zu bezweifeln, dass Adoboli für diese Geschäfte von seinem Arbeitgeber nicht autorisiert gewesen sein soll. Solange alles gut lief hat dieser Mann sicherlich erheblich zu den Gewinnen der UBS beigetragen, sonst hätte man ihm nicht den Zugriff zu so viel Geld für Spekulationszwecke erlaubt. Hätte der schweizer Staat nicht mit einfachen Mitteln der Spekulation auf den Franken ein Ende bereitet, wäre Adoboli von der Geschäftsführung mit Provisionen zugeschüttet worden. Jetzt brauchen die Verantwortlichen der UBS, nachdem der Deal daneben ging, ein Bauernopfer um ihren eigenen Kopf zu retten - nur noch schamlos! In Frankreich war das übrigens genauso

  • Stimme Ihnen voll zu. Eine saubere Bank hätte so etwas nicht durchgehen lassen. Aber warum gibt es dann noch Leute, die Casino auf fremde Rechnung spielen und sich so die Zukunft ruinieren? Ich würde mich auf so einen Job gar nicht bewerben, das können die Vorstände selber machen. Das ganze Szenario passt zur UBS (Unfähiger Banken Schlendrian!) was man sowieso schon weiß. Ist nur ein Schandfleck mehr. Aber hat ja noch genug Kunden, die weiterhin dafür Gebühren zahlen.

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