Angela Ahrendts modernisiert Burberry
Eine Cheerleaderin im Hosenanzug

Es gibt sie also wirklich, die Hochglanzwelt aus den Modemagazinen. Schöne, perfekt gekleidete Menschen diskutieren lebhaft an Designer-Arbeitstischen voller schicker Broschüren und Kaffeetassen.

LONDON. Rundum hängen auf Ständern die neuesten Burberry-Kollektionen – im Laden von November an. In der Burberry-Zentrale am Haymarket im Londoner Westend geben sich die Einkäufer die Klinke in die Hand. Kein Zweifel, die Marke läuft gut.

Die Begeisterung darüber versprüht Angela Ahrendts. Die Amerikanerin, die seit dem vergangenen Jahr die britische Traditionsfirma führt, passt in die Atmosphäre des Hauses. Groß, schlank und braun gebrannt im dunkelblauen Hosenanzug mit weißer Bluse, begrüßt sie alle Journalisten mit Handschlag, die sich mit nur einem Tag Vorwarnung eingefunden haben. Es sind die ersten Jahreszahlen, die sie für Burberry präsentiert, und es ist auch ihre erste Pressekonferenz als Chefin des Hauses, nur einen Tag vorher anberaumt. Im Juli ist die in Indiana geborene Mittvierzigerin vom New Yorker Modekonzern Liz Claiborne gekommen. Ihr Gehaltspaket ist angeblich mehr als 20 Millionen Euro wert.

„Ich will das Einzelhandelsdenken in das Unternehmen zurückbringen“, sagt sie, „die Reaktionen der Kunden aufnehmen und sie in unseren Läden gut unterhalten.“ In den zwölf Monaten bis zum 31. März haben die Burberry-Filialen erstmals wieder mehr umgesetzt als das Geschäft im Großhandel und die Shops in Kaufhäusern. Und die internationalen Expansionschancen sind groß – in Ländern wie Russland und Indien ist Burberry einfach noch kaum präsent.

Um 14 Prozent auf 850 Mill. Pfund (1,2 Mrd. Euro) ist der Umsatz gewachsen – gerade die klassischen Mäntel und Handtaschen verkauften sich hervorragend. Der Reingewinn stieg jedoch nur um vier Prozent auf 110 Mill. Pfund – eine kostspielige Umstrukturierung aller Prozesse mit SAP-Hilfe belastet die Rendite.

Das dämpfte gestern die Stimmung der Analysten, doch Ahrendts gibt sich alle Mühe, mit ihrer Begeisterung anzustecken. Mit klimpernden Armbändern gestikuliert sie und greift anerkennend nach dem Knie des schlaksigen, jungen Chefdesigners Christopher Bailey, der neben ihr auf einem lederbezogenen Barhocker sitzt. Familiäre Atmosphäre beschwört sie und Offenheit. Das wohl ein Lerneffekt aus dem PR- Desaster, zu dem sich im Winter die Schließung einer Fabrik in Wales entwickelt hatte: Prominenz wie Sänger Tom Jones und Schauspielerin Emma Thompson protestierte, doch Ahrendts blieb hart.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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