Angriff auf Alitalia
Ein harter Hund aus den Abruzzen

Carlo Toto gibt nicht auf. Der Chef der AP Holding, die die italienische Fluggesellschaft Air One kontrolliert, setzt zu einem neuen Angriff auf Alitalia an. Erst diese Woche teilte der 62-Jährige mit, dass er mit einer Gruppe von Unternehmern ein verbindliches Angebot für die angeschlagene Fluggesellschaft vorlegen will. Mit diesem Störfeuer will Toto vor allem eines verhindern.

MAILAND. Nämlich, dass Air France -KLM Alitalia übernimmt. Die beiden großen Fluggesellschaften verhandeln derzeit exklusiv. Im Dezember haben Air France -KLM und Air One ein unverbindliches Angebot vorgelegt. Doch Alitalia, ein Unternehmen, das noch zur Hälfte dem Staat gehört, hat sich für die Franzosen entschieden. Dagegen will Toto nun vor Gericht ziehen.

Air One gegen Alitalia ist wie David gegen Goliath. Die kleine Fluggesellschaft kommt nur auf 700 Millionen Euro Umsatz, weniger als ein Sechstel von dem, was Alitalia umsetzt. Doch das scheint den kräftigen Herrn nicht zu stören. Er zählt u.a. auf die Hilfe der Bank Intesa Sanpaolo, die verhindern will, dass der Mailänder Flughafen Malpensa nach einer Übernahme durch Air France -KLM an Bedeutung verliert.

Hürden haben den aus Chieti

stammenden Toto noch nie gestört. Er kommt aus den Abruzzen, einer bergreichen Region an der Ostküste Italiens, deren Bewohner als dickköpfig gelten. Einer, der ihn kennt, beschreibt ihn als harten Hund, der nur ein Credo hat: Arbeit. Er selbst rühmt sich, mit Air One ein erfolgreiches Unternehmen geschaffen zu haben, "ohne dass es das Land irgendetwas gekostet hat". Alitalia aber beschere dem Staat Millionenverluste.

Angefangen hat Toto in den 50er-Jahren in der Firma des Vaters, die als Subunternehmer Autobahnen baute. Schon bald überzeugt Toto die Familie, dass sich mehr Geld verdienen lässt, wenn man sich direkt um die staatlichen Aufträge bewirbt. Heute betreibt das Toto-Imperium unter anderem zwei private Autobahnen im Süden Italiens. Die Methoden waren nicht immer ganz sauber: Im Zuge der Säuberungsaktion Mani Pulite in den 90er-Jahren einigt er sich außergerichtlich wegen Schmiergeldern für den Bau eines Parkhauses.

Trotz aller Dickköpfigkeit beweist er durchaus diplomatisches Geschick, wie seine Parteispenden zeigen, die das Spektrum von Alleanza Nazionale über Forza Italia bis zu den Linksdemokraten abdecken.

Toto startete 1988 ins Luftfahrtgeschäft, als er die Flugtaxi-Gesellschaft Aliadriatica aus Pescara übernimmt. Später kauft er seine erste Boeing 737 aus einer Konkursmasse, gründet 1995 Air One und wird im Jahr 2000 Lufthansa -Partner. Heute beschäftigt Air One über 2 800 Mitarbeiter und kontrolliert in Italien mehr ein Drittel des Markts.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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