Angst vor Entdeckung in der Betriebsprüfung wächst – Wichtiger Faktor bei Firmenkäufen
Schmiergelder erweisen sich für Firmen als Bumerang

Anwälte und Steuerberater registrieren zunehmenden Beratungsbedarf bei deutschen Firmen mit ausländischen Geschäftspartnern - und zwar in puncto Bestechung.

HB DÜSSELDORF. Grund dafür sind Gesetzesverschärfungen der letzten Jahre, durch die Schmiergeldzahlungen jetzt in Steuerprüfungen ans Licht zu kommen drohen: "Die Anfragen der Unternehmen nehmen deutlich zu", sagt Jürgen Taschke, Partner der Kanzlei Clifford Chance in Frankfurt. Vor allem vor Firmenkäufen tauche nun häufig die Frage auf, ob irgendwo in den Büchern noch Bestechungsgelder schlummern.

Auch Wirtschaftsanwalt Frank Heerspink aus der Kölner Sozietät Hecker, Werner Himmelreich bestätigt die steigende Nachfrage. "Das Problem, betont Heerspink, "wird immer virulenter".
Grund für die Warnung der Juristen sind mehrere Gesetzesänderungen in den Jahren 1999 und 2002. So sind seit 1999 Schmiergelder nicht mehr als Betriebsausgaben abzugsfähig. Hinzu kommt, dass zeitgleich die Auslandsbestechung strafbar wurde - das "Schmieren" von ausländischen Amtsträgern, Richtern, Abgeordneten und solche der EU-Gremien. Mitte 2002 kam dann noch die Bestechung von Privatleuten, also Firmenangestellten, hinzu.

Problematisch für die Unternehmen daran ist, dass nach Aussage der Experten viele Firmen in Unkenntnis der geänderten Rechtslage noch Schmiergelder gezahlt haben - und dies teilweise bis heute tun. Diese "nützliche Aufwendungen" finden sich als Betriebsausgaben in den Firmenbüchern. Und kommen so jetzt ans Tageslicht.

Als gefährlich werten die Berater dabei vor allem die erweiterten Betriebsprüferbefugnisse: Stoßen die Finanzbeamten auf Indizien für eine Bestechung, müssen sie nämlich seit 1999 die Staatsanwaltschaft informieren. Für Markus Gotzens von der Münchner Kanzlei Wannemacher & Partner zeichnet sich seitdem ein Trend ab: immer häufiger schauen die Finanzbeamten auch auf Straftaten, die mit Steuern nichts zu tun haben. Etwa Insolvenzverschleppung, Untreue oder Betrug. "Im Prüfbericht der Beamten war dafür schon immer ein Feld vorgesehen. Nur: Heute wird es auch ausgefüllt", sagt Gotzens.

Seite 1:

Schmiergelder erweisen sich für Firmen als Bumerang

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%