Anhäufung von Kunst eher zufällig zusammengekommen
Die Abenteuer des Alltags

Zwischen Kinderstühlen und Zeitungen präsentiert Erika Hoffmann ihre Sammlung zeitgenössischer Kunst in den eigenen Wohnräumen in Berlin.

BERLIN. „Milk and honey taken far far away“. Wer sich den Sophie-Gips-Höfen in Berlins Mitte von der Ostseite her nähert, kann den in großen Buchstaben hoch unter dem Glasdach prangenden Spruch des amerikanischen Konzeptkünstlers Lawrence Weiner gut lesen. „Milch und Honig weit, weit weggebracht“, steht da also sinngemäß geschrieben. Kunstsammlerin Erika Hoffmann nennt das „Sprachbildhauerei“ und hat sichtlich Freude daran, wie ihr Besucher ziemlich ratlos darüber grübelt.

Frau Hoffmann lächelt, stützt herausfordernd die Hände in die Hüften und erlöst ihren Gast mit drei Sätzen, die für den Augenblick zwar nicht weiterhelfen, aber zeigen, wie das Konzept ihrer ansonsten, wie sie selbst sagt, „konzeptlosen Sammlung“ lautet: „Ich muss in der Kunst Neues entdecken. Es muss Abenteuer sein. Ich will kennen lernen, in welchen mir bis dahin fremden Welten die Künstler leben.“

So ist eine heftig gemischte Sammlung nationaler und internationaler Gegenwartskunst entstanden, die die Kunsthistorikerin in den eigenen Wohnräumen präsentiert. Auf 1 500 Quadratmetern, nahe den Hackeschen Höfen, in den oberen Stockwerken einer ehemaligen Fabrik für medizinische Geräte, behutsam renoviert und umgebaut, präsentiert sie dort in Loft-Räumen Arbeiten der Bildhauerin Isa Genzken neben Videos von Pipilotti Rist und Computerkunst des Japaners Tatsuo Miyajima. Dazwischen stehen die Kinderstühle der Enkel, oder es liegen Zeitungen und Bücher herum. Gebrauchsgegenstände eben, die aber die kühle Kunsthallen-Atmosphäre nicht wirklich anheizen.

Und so gehört schon viel intellektueller Witz dazu, in diesem Ambiente einen trauten Familienabend zu verbringen, etwa zwischen dem pornografischen Gemälde „Milky Way“ von Richard Philips und einem von Ron Mueck bis zu den Pickeln täuschend ähnlich nachgebildeten nackten Menschenkörper, mit allerdings viel zu langen Armen und in Demutshaltung.

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