Anheuser-Busch
Vater-Sohn-Konflikt könnte Übernahme durchkreuzen

Lange Zeit traute ihm der Vater diesen Job nicht zu. Nun könnte die Demütigung für August A. Busch IV. noch schlimmer werden: Ausgerechnet er könnte in die Geschichte des Gründerclans als derjenige eingehen, der nach nur 19 Monaten auf dem Chefsessel von Anheuser-Busch das Ende der Bierbrauer-Dynastie einläutet.

DÜSSELDORF. Am gekränkten Ego des 44-jährigen Erben, der das 1860 gegründete Bierimperium in fünfter Generation leitet, könnte die geplante Übernahme durch Inbev am Ende deshalb noch scheitern. Weil sich der Junior vorgenommen hat, es seinem Vater doch noch zu zeigen, halten Beobachter seine Verkaufsbereitschaft für wenig ausgeprägt.

Der schwere Vater-Sohn-Konflikt trägt pathologische Züge. Ein familiäres Verhältnis war zwischen beiden nie entstanden. Als der Filius fünf Jahre alt war, ließ sich der Senior von seiner damaligen Ehefrau Susan scheiden. Fortan trafen sich Vater und Sohn nur noch zu offiziellen Anlässen.

Der Lebenswandel seines Ältesten gab August Anheuser III. zudem kaum Anlass, Vertrauen in den künftigen Konzernerben zu gewinnen. 1983 verursachte der junge Student durch ein waghalsiges Fahrmanöver einen Unfall mit seiner Corvette, seine Beifahrerin starb dabei. Freigesprochen wurde er nur, weil Beweismittel wie Urin- und Blutproben spurlos verschwanden. Wenig später stand er wegen Verfolgungsjagden mit der Polizei vor Gericht. Auch sein Antritt als Marketingchef von Anheuser-Busch startete 2000 mit einem Flop. Der von ihm lancierten Marke "Bud Dry" kehrten Amerikas Biertrinker schon bald den Rücken.

Der ab kommendem Montag 71-jährige Vater, von Untergebenen stets "Der Dritte" genannt, wählte sich bei seinem Abgang aus dem operativen Geschäft 2002 deshalb - erstmals in der Firmengeschichte - mit Patrick Stokes einen externen Manager als Nachfolger. Als "Der Vierte" dann Ende 2006 doch noch an die Spitze von Anheuser-Busch berufen wurde, übertrug sein Vater dem scheidenden Vorstandschef Stokes die Leitung des Kontrollgremiums. Dort hat aber auch der Senior weiterhin Sitz und Stimme.

Selbst in der Politik behaken sich die beiden Familienmitglieder. Während der Senior Republikaner wie George W. Bush und John McCain finanziell unterstützt, gilt der Sohn als begeisterter Anhänger der Demokraten.

Ob das schwierige Vater-Sohn-Verhältnis dazu führen wird, dass August IV. Inbev eine Absage erteilt, ist schwer abzusehen. Mit dem Aktienpaket seiner Familie, die knapp vier Prozent am Grundkapital hält, wird ihm dies allein kaum gelingen.

Eine wichtige Rolle dürfte Warren Buffett spielen. Der Großinvestor hält fünf Prozent an Anheuser-Busch und hat sich in der Vergangenheit dadurch ausgezeichnet, das Management seiner Beteiligungsfirmen loyal zu unterstützen. Doch Inbev-Großaktionär Jorge Paulo Lemann, der am 2. Juni in Tampa/Florida dem Anheuser-Chef die Übernahme vorschlug, gehört zu Buffetts guten Freunden.

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