Anlageberatung
Strenge Regeln gelten nur für Profis

Wer Geld an der Börse verloren hat, ärgert sich, wenn die Beratung schlecht war. Doch nur Profis müssen sich an strenge Beratungsregeln halten. Tipps von Freunden werden von Richtern milder beurteilt, wie ein aktuelles Urteil zeigt.

Eine Norddeutsche hatte eine Abfindung von 50 000 Euro kassiert und wollte das Geld investieren. Auf einer Familienfeier traf sie den Bruder ihres Lebensgefährten, der früher eine Banklehre gemacht und bereits für andere Angehörige an der Börse spekuliert hatte. Sein Angebot: Für Verkaufsgewinne sollte die Schwägerin in spe ihm 30 Prozent Prämie zahlen. Sie schlug ein und überwies ihm die Abfindung und weitere 25 000 Euro. Der selbst ernannte Börsenfuchs legte zwei Depots an und begann, Aktien zu kaufen.

Nach anfänglichen Gewinnen zeigte sich schnell, dass viele Rohrkrepierer dabei waren: 75 000 Euro schmolzen binnen vier Jahren zu 22 000 Euro. Die Frau verklagte den Hobby-Börsianer auf Schadensersatz: Obwohl er kein professioneller Berater sei, hätte er sie vorher nach ihrer Risikobereitschaft fragen müssen. Dass Verluste in dieser Größenordnung möglich seien, hätte sie nicht gewusst.

Nachdem das Oberlandesgericht Schleswig (OLG) ihr zunächst recht gegeben hatte, wies der Bundesgerichtshof die Klage jetzt jedoch zurück (III ZR 75/06). Zwar sei mit der Absprache ein Vertrag zustande gekommen, die Beratung gelte also nicht als rechtlich irrelevanter Freundschaftsdienst. Die strengen Regeln für Profiberater seien aber "nicht anwendbar", denn der Mann habe lange nicht mehr für eine Bank gearbeitet. Zudem habe die Frau ihm bei der Feier erklärt, sie benötige das Geld derzeit nicht und wolle es "möglichst gewinnbringend parken". Ein Anspruch auf Schadensersatz komme nur infrage, wenn der Mann "hochspekulative" Papiere gekauft habe. Das müsse das OLG jetzt nochmal prüfen.

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