Anlagebetrug
Streit um Entschädigung für Phoenix-Opfer

Neuer Ärger für die Phoenix-Anleger: Weil immer mehr Unternehmen sich unter Verweis auf drohende Zahlungsunfähigkeit weigern, Schadensersatz zu bezahlen, müssen sie noch länger auf ihr Geld warten. Als Lösung ist auch eine Finanzierung über einen Kredit im Gespräch. Derweil wächst der Widerstand.

FRANKFURT. Die Bundesregierung rechnet frühestens Mitte Juni mit den ersten Zahlungen. Dies geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Darin weist die Regierung auch Vorwürfe zu lascher Prüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zurück.

Phoenix war einer der größten Fälle von Kapitalanlagebetrug, die es je in Deutschland gegeben hat. Noch ist unklar, wie die Schadensersatzzahlungen finanziert werden sollen. Rund 29 000 Meldungen sind bislang bei der zuständigen Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen eingegangen (EdW). Experten rechnen mit einem Schaden von rund 180 Mill. Euro. Das ist weit mehr als die EdW in der Kasse hat; laut Bundesregierung waren es zum Jahreswechsel gerade einmal fünf Mill. Euro. Deshalb sollen die etwa 760 Wertpapiermakler, die dem EdW zwangsweise angehören, den Rest bezahlen.

Doch immer mehr Unternehmen weigern sich zu zahlen. Rund jedes zehnte EdW-Mitglied habe sich bisher unter Verweis auf drohende Zahlungsunfähigkeit gemeldet und eine Ausnahmeregelung gefordert, so Mitarbeiter der Einrichtung. Derzeit suche man "nach Lösungen, die zu Geldeingängen führen". Im Gespräch sei auch die Finanzierung über einen Kredit. Darüber soll aber erst im April entschieden werden.

Derweil wächst der Widerstand: So kündigte der Verband der unabhängigen Vermögensberater (VuV) Klagen gegen eine höhere Umlage an. Sauer stößt den Maklern auf, dass die EdW für die Schadenregulierung selber 6,7 Millionen Euro Bearbeitungsgebühren angemeldet hat. "Wenn so viel Geld in der Administration versickert, wird die Schadenssumme immer größer und wir werden immer mehr geschröpft", sagt Markus Ross, Vorstand des Vermögensverwalters Ceros.

Um den drohenden Zahlungen zu entgehen, werde man die Bescheide der EdW anfechten und versuchen, die geplanten Auszahlungen an die Anleger zu verzögern. "Warum soll ich für leichtsinnige Leute zahlen, die Phoenix auf den Leim gegangen sind?", schimpft er. "Von mir aus müssten die Anleger gar nichts bekommen." Rund zwei Dutzend Unternehmen wollen zudem selber im Fall Phoenix ermitteln, vor allem wegen möglicher Schadensersatzansprüche gegen britische Geschäftspartner des insolventen Optionshändlers. Außerdem wollen sie prüfen lassen, wie hoch die Entschädigungsansprüche der Anleger gegenüber der EdW tatsächlich sind.

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