Anlegerlegende in Bestform
Warren Buffett, der die Harley reitet

Er investiert in die nächste starke Marke: Für 300 Millionen Dollar kauft Warren Buffett Anteile an der legendären Firma Harley-Davidson - und hinterlässt abermals eine Spur auf den Anzeigetafeln der Börsenräume.

FRANKFURT. Männer und Maschinen. Mythen und Marken. Oder Anleger-Goliath kauft Davidson. Für diese Geschichte lassen sich viele Einstiege finden. Der nüchterne geht so: Für rund 300 Mio. US-Dollar hat Warren Buffetts Investmentfirma Berkshire Hathaway Anleihen des Motorradherstellers Harley-Davidson gekauft. Damit bleibt der 78jährige Herr mit dem grauen Haar seiner Strategie treu, das eigene Geld in Aktien und Anleihen starker Marken zu stecken. "Ein klassischer Buffett" jubelt denn auch Justin Fuller, Partner des Vermögensverwalters Midway Capital und im Nebenberuf profunder Kenner der Investorenlegende, der Buffett eine eigene Webseite gewidmet hat.

Wie immer erzeugt der Auftritt des alten Herren zumindest einen deutlichen Hüpfer beim Aktienkurs: Die Papiere des krisengeschüttelten Unternehmens legten zunächst 15 Prozent zu, verloren gestern leicht und hinterließen damit eine Spur auf den Anzeigentafeln der Börsenräume wie ein Harley-Fahrer im Bergischen Land. Dennoch kommt der Einstieg Buffetts für Harley-Davidson gerade recht. Im Jahr 2008 ist der Gewinn des Unternehmens um 30 Prozent auf 655 Mio. Dollar gesunken. Auch der Aktienkurs entwickelte sich wie ein Reifen, aus dem die Luft entweicht.

Buffett hat sich nun vorgenommen, dieses Loch zu flicken. Der Investor, der bekanntlich nur in Unternehmen investiert, deren Geschäftszweck er versteht, hat es mit diesem Prinzip zum reichsten Mensch der Welt geschafft. Laut Forbes-Liste beträgt sein Vermögen geschätzte 60 Mrd. Dollar und ist damit so hoch, dass auch die Finanzkrise ihn nicht mehr ernsthaft an den Rand des Ruins treiben dürfte. Irgendwas läuft immer. Sei es die Beteiligung an Coca Cola, die Investition in Mars, oder Buffetts vorletzte Großtat: der Kauf des Flughafens Egelsbach in Hessen durch seine Privatjet-Firma Netjets Europe. Die Hessen kamen übrigens Dienstag zu ihrem Vertrag mit Buffetts Unterschrift.

Obwohl er weltweit Geschäfte macht, ist der Mann seinem Heimatort Omaha in Nebraska treu geblieben. Dort erwarb er mit 14 Jahren eine 16 Hektar große Farm für 1200 Dollar, die er verpachtete. Noch immer lebt er in seinem Haus, das er 1958 für 31 500 Dollar kaufte. Im Gegensatz zu Buffetts Bodenständigkeit steht der Größenwahn mancher Banker an der New Yorker Börse. Schon Ende der 60er Jahre beunruhigte Buffett die immer stärker auf kurzfristige Kurssteigerungen ausgerichtete Strategie der Händler an der Wall Street. "Ich kann mit den herrschenden Bedingungen nichts mehr anfangen" schrieb er damals in einem Brief an seine Anleger: "Wir investieren nur in eine Firma, wenn wir die Geschäfte verstehen, die langfristigen Aussichten des Unternehmens gut sind, die Firma von kompetenten und ehrlichen Managern geleitet wird und sehr attraktiv bewertet ist." Der Brief und zahlreiche Auftritte begründeten Buffetts Ruf als "Orakel von Omaha" so nachhaltig, dass selbst Barack Obama jüngst anklopfte und fragen ließ, ob Buffett als Finanzminister zur Verfügung stünde. Seit gestern wissen wir, warum Buffett absagte: Der Mann fährt vermutlich lieber Motorrad.

Warren Buffett

1930 Warren Edward Buffett wird am 30. August 1930 in Omaha/Nebraska als Sohn eines Aktienhändlers geboren

1936 verdient er sein erstes Geld mit dem Verkauf von Coca-Cola Sixpacks

1941 Buffett kauft seine ersten drei Aktien und verkauft sie mit Gewinn

1947-1949 Wirtschaftsstudium an den Unis in Pennsylvania und Nebraska, Abschluss als Bachelor

1956 Gründung der Buffett Partnership (Kommanditgesellschaft)

1965 Gründung der Berkshire Hathaway Investmentfirma

In den 80er Jahren Einstieg bei Coca-Cola, American Express und Gilette

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