Anno August Jagdfeld
Der charmante Pleitier von Heiligendamm

Die Insolvenz des Grandhotels Heiligendamm ist eine peinliche Niederlage für den Fondsinitiator Anno August Jagdfeld. Nun fürchtet der charmante Geschäftsmann um seinen Ruf.
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DüsseldorfDieses Mal hat der Charme des Anno August Jagdfeld versagt. 32,5 Millionen Euro hätten die 1.900 Anleger dem Chef der Immobilienfondsfirma Fundus geben müssen, um den Fonds für das „Grandhotel Heiligendamm“ vor der Pleite zu bewahren. Doch dieses Mal schossen sie kein Geld nach.

Diese prestigeträchtige Niederlage ist eine neue Erfahrung für den charismatischen 65-Jährigen. Noch immer hatte er es in den vergangenen Jahren geschafft, Anlegern Sanierungspläne schmackhaft zu machen und ihnen frisches Geld für seine Luxushotels „Adlon“ in Berlin und das Grandhotel in Heiligendamm an der Ostsee aus der Tasche zu ziehen.

Um Heiligendamm, die „Weiße Stadt am Meer“, ist es nun geschehen. Am Montag meldete der Fundus-Fonds 34 Insolvenz an. Die Zinsen für die Bankkredite können nicht mehr bedient werden. Die Gehälter der 300 Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld gesichert.

Dabei hatte es Jagdfeld vor drei Jahren nach der ihm eigenen Art des Grandseigneurs mit einem Neustart versucht. Damals übernahm er einfach selbst das Hotelmanagement, nachdem der alte Betreiber Kempinski wegen „ständiger Einmischung des Besitzers in den täglichen Hotelbetrieb“ ausgestiegen war. Doch das Fünf-Sterne-Haus war nicht profitabel genug.

Der Turn-around an der Ostsee misslang. Dabei sind Luxushotels in Deutschland derzeit so gefragt wie nie. Die Auslastung ist, so rechnet der Hotelverband Dehoga vor, mit 64 Prozent besser als der Durchschnitt. Im ersten Halbjahr 2011 ging es mit den Erträgen um mehr als sieben Prozent nach oben.

Diese positive Entwicklung ist in Heiligendamm kaum angekommen. Doch von Selbstzweifeln ist bei Jagdfeld keine Spur: Schuld am Scheitern sei „eine kleine Truppe von Stadtvertretern, die dem Hotel immer wieder Steine in den Weg legt“, klagt er.

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„Jagdfeld hat sich überschätzt“

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  • Nicht die Anwohner oder die Stadtvertreter sind eigentlich schuld, sondern wohl die vielfachen In-sich Geschäfte der ECH/Fundus Gruppe mit Familienmitgliedern, sowie der viel zu späte Beginn der weiteren Baumaßnahmen vor Ort. Man hätte direkt nach dem G-8 Gipfel verstärkt in das Marketing gehen müssen, das wurde verpasst. Man benötigte keine Zäune, die Tagesgäste draußen lassen, das nutzte weder dem Hotelbetreiber, noch den Gästen wirklich. Eine geschicktere Wegeführung ohne Zäune (die Gäste häufig selbst als "Käfig" empfinden), mit großzügigerer Offenheit wäre dem Ort angemessen und der historischen Vorlage entsprechend. Das wissen besonders die wohlhabenden Gäste, die sich vor Öffentlichkeit eben nicht scheuen...
    Mangelhafte Öffentlichkeitsarbeit und fehlender Dialog mit dem Umfeld taten ihr Übriges. Warum ist seit dem Erwerb im Jahre 1996 sowenig passiert? Warum konnte Jagdfeld den Küstenwald, die Grundstücke außerhalb des Areals im Umfeld des Hotels, und die weiteren Gebäude in der weißen Stadt erwerben, ohne dass es einen verbindlichen Fertigstellungsvertrag mit Rückgabeverpflichtung gab? Und alle diese Grundstücke und Villen sind im Insolvenzverfahren nicht enthalten, da sie ja nicht dem Fonds, sondern dem Initiator selbst gehören. Vielleicht ein Anlass, dass er diese freigibt und den 1900 Anlegern überträgt? Oder will er selbst die Hotelanlage für einen nominalen Symbolbetrag erwerben, um dann die unbequemen 1900 loszuwerden?
    Es ist zu hoffen, dass nicht wieder durch im Umfeld des Initiators gefundene Käufer oder Verwalter das Projekt weiter den mühsamen Gang geht, den es bisher gegangen ist. Nur dann ist der Ort und letztlich der Ruf des Initiators zu retten!

  • Jetzt ist es raus: In der Niederlage zeigt der "charmante Pleitier" sein wahres Gesicht. Keine Selbsterkenntnis und Übernahme der Verantwortung, sondern kleinliche Schuldzuweisungen an die Nachbarschaft.

  • Aber Jagdfeld hat für seine Objekt-Probleme für die Abwehr
    von Regressansprüchen der Anleger einen excellenten Rechts-
    anwalt in Köln sitzen, der ihn bisher erfolgreich verteidigt
    hat.

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