Anshu Jain: Zurückhaltender Vegetarier

Anshu Jain
Zurückhaltender Vegetarier

Investmentbanker und Einkommensmillionär – Anshu Jain erfüllt viele Klischees eines Bankers. Doch der Co-Chef der Deutschen Bank gilt als zurückhaltend, unprätentiös und feiert bescheiden seinen 50. Geburtstag.
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Frankfurt/DüsseldorfMut, „viel Gesundheit und vor allem Kraft in schweren Zeiten“, und „Erfolg beim Neuanfang“ wünschen die Handelsblatt-Leser dem noch recht neuen Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain zu seinem heutigen 50. Geburtstag.

Einer hofft gar auf „25 Prozent Eigenkapitalrendite“ für den Co-Vorstandsvorsitzenden und spielt damit auf das Renditeziel des Ex-Chefs Josef Ackermann an, das Jain jüngst kippte. Damit fallen die Geburtstagsgrüße vergleichsweise freundlich aus für den britisch-indischen Chef der Großbank.

Nach mehreren Razzien wegen Steuerhinterziehung mit CO2-Zertifikaten, der Manipulation des Leitzinses Libor und Klagen geschädigter Kunden weltweit gegen das führende Geldhaus des Landes hätte auch deutlicher Kritik laut werden können. Ein Leser wünscht Jain immerhin ironisch eine Monopoly-Karte „Du kommst aus dem Gefängnis frei…“.

Dabei rief die Ernennung Jains, der mit Jürgen Fitschen zusammen im Juni 2012 an die Spitze der Bank rückte, noch größere Skepsis hervor. Ausgerechnet ein Investmentbanker Londoner Prägung, der nicht einmal Deutsch spricht, sollte Deutschlands größtes Geldhaus führen? Schnell war von „Anshu's Army“ die Rede, einer Horde zockender Investmentbanker, die die Macht in den Zwillingstürmen im Frankfurter Bankenviertel an sich zu reißen drohe.

So entwickelte sich zwischen Jain und den Deutschen wohl eher eine vorsichtig-vorbehaltene Beziehung. Kein Wunder: Der Manager trat ein schweres Erbe an. Das Verhältnis der Deutschen zu ihren Spitzen-Bankern war nie sonderlich entspannt. Die Vorgänger Ackermann, Kopper und Breuer fanden jeweils ihren eigenen Weg, es sich mit der Öffentlichkeit zu verscherzen.

Rolf-E. Breuer wollte Kleinsparer in die Direktbank Bank 24 ausgliedern, Hilmar Kopper bezeichnete 50 Millionen D-Mark Schaden als Peanuts, die Handwerker durch die Pleite des Baulöwen Jürgen Schneider erlitten hatten. Josef Ackermann zeigte vor dem Auftakt des Mannesmann-Porzesses das Victory-Zeichen. Der Spaß wurde ihm schnell als Arroganz ausgelegt.

Solch gesellschaftspolitische Minenfelder wird Jain wohlwissentlich zu umschiffen suchen. Erklärtes Ziel von Jain und seinem Co-Chef Fitschen: Die Deutsche Bank wieder näher an die Menschen heranführen und damit auch das ramponierte Image einer ganzen Branche aufpolieren. „Kulturwandel“ nennt das Führungsduo dieses Unterfangen.

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Vor Patzern und Rückschlägen nicht gefeit

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  • Wenn ich es richtig verstanden habe, stammen die Skandale der letzten Zeit (LIBOR, CO2 etc.) aus genau dem Bereich der Bank, den Herr Jain seit Jahren verantwortet. Hoffen wir, dass der von ihm und Herrn Fitschen propagierte Kulturwandel auch wirklich so gemeint ist.

  • Ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle. Einer der besten seines Faches. Nein, ich korrigiere mich; der Beste den es gibt. With all skills an Investmentbanker needs. Clever and smart. Freund, Mentor und Vorbild zugleich.

    Alles was ich bin und alles was ich kann, hab ich dort beigebracht bekommen. Good to know you personally, Anshu Superstar und Moneymaker !

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