Ansparen von Arbeitszeit
Überstunden fürs Urlaubskonto

Flexibles Arbeiten durch Zeitwertkonten lohnt sich nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für die Unternehmen. Doch was passiert mit dem Gesparten, wenn Mitarbeiter ihren Job wechseln? Und was wird aus dem Zeitvermögen, wenn der Arbeitgeber Insolvenz anmeldet?

DÜSSELDORF. Keine Zeit, den riesigen Berg von Überstunden und Urlaub abzubauen? Dabei träumen Sie schon immer davon, mal ein paar Monate durch die Karibik zu segeln. Oder ein Sabbatjahr zu nehmen, um in Paris endlich den richtigen französischen Akzent draufzukriegen. Oder sich ganz einfach zwei Jahre früher zur Ruhe zu setzen – bezahlt versteht sich und ohne zu kündigen.

Schon fast jedes dritte Unternehmen hierzulande ermöglicht seinen Mitarbeitern, Mehrarbeit und Teile seines Gehalts anzusparen und in bezahlte Freizeit umzuwandeln. Ein weiteres Viertel plant kurz- bis mittelfristig, solche Zeitwertkonten einzuführen – vor allem mittelständische und große Firmen. Das hat das Beratungshaus Rauser Towers Perrin ermittelt.

Ansparen von Arbeitszeit bringt nicht nur den Beschäftigten Vorteile und Flexibilität, sondern auch den Unternehmen. Überfordern doch Überstundengelder bei Auftragsspitzen allzu oft die Finanzkraft selbst mittlerer Betriebe. Wenn später nicht viel zu tun ist, müssen diese trotzdem alle Mitarbeiter irgendwie beschäftigen und durchfüttern. Arbeitszeitkonten erlauben es Unternehmen zu „atmen“. Sie sind daher besonders für Branchen mit schwankender Auftragslage attraktiv.

Möglich sind solche Zeitwertkonten seit 1998, als das Gesetz zur sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitszeitkontenmodelle, kurz Flexi-Gesetz, in Kraft trat. Teile des Entgelts, Überstunden, Urlaub oder Sonderzahlungen werden in Beiträge auf ein Leistungskonto umgewandelt und wie bei einem Sparbuch angelegt und verzinst. Mit dem Guthaben können Sabbaticals, Bildungsurlaube oder andere Auszeiten bezahlt oder ein frühzeitiger Renteneintritt finanziert werden. „Seitdem Altersteilzeit nicht mehr staatlich gefördert wird, suchen Arbeitgeber eine Möglichkeit, den sukzessiven Ausstieg von Beschäftigten im Alter finanzieren zu können“, sagt Claudio Thum, Manager bei Rauser Towers Perrin.

Und auch für Mitarbeiter zahlen sich Zeitwertkonten finanziell aus: Denn die Einzahlungen fließen abgabenfrei auf das Sparkonto. Steuern und Sozialabgaben werden erst fällig, wenn der Mitarbeiter die bezahlte Auszeit nimmt. Weil er in der Arbeitspause kaum Einnahmen hat, fallen weniger Steuern an. Und bis dahin erwirtschaftet das Geld abzugsfrei Zinsen. Unter anderem bieten die Deutsche Bank, Ford, die Deutsche Bahn und die Deutsche Telekom ihren Mitarbeitern Sparkonten für Auszeiten an – inzwischen auch als Instrument zur Mitarbeiterbindung. „Zeitwertkonten machen uns als Arbeitgeber attraktiv. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht“, bestätigt Wilfried Krüger, Leiter Personal Steuerung und Strategie bei Volkswagen in Wolfsburg. VW führte als erstes Großunternehmen in Deutschland vor zehn Jahren Zeitwertkonten ein. „Unsere Mitarbeiter sind damit sehr zufrieden. Wir ermöglichen es ihnen, früher auszuscheiden, und verhindern zugleich eine Überalterung der Belegschaft“, berichtet Krüger.

Bei VW nutzen bereits 95 Prozent der Belegschaft die sogenannten Zeit-Wertpapiere. Doch bis solche traumhaften Nutzerquoten erreicht sind, müssen Firmen viel Überzeugungsarbeit leisten – von Rundschreiben bis zu Handzetteln auf dem Kantinentisch. Thum: „Das A und O ist die Kommunikation. Nur dann bekommt man gute Teilnahmequoten. Die Modelle dürfen außerdem nicht zu komplex sein, sonst verstehen sie die Leute nicht mehr.“

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