Antoine Bernheim
Ein Franzose allein unter Italienern

Antoine Bernheim ist mit 84 noch kein bisschen amtsmüde. Der Präsident des italienischen Versicherers hat gerade ein Bridge-Tunier in illustrer Runde hinter sich gebracht. Nun kann er sich wieder vollständig darauf konzentrieren, Generali weiter zu regieren. Doch das ist in diesen Zeiten nicht immer erfreulich.

MAILAND. Für den Juni 2009 hat Antoine Bernheim den Badeort Sanremo als Reiseziel gewählt. Doch der Präsident des italienischen Versicherers ist nicht etwa zum Baden an die italienischen Riviera gekommen; er verbringt lieber Stunden in Neon-beleuchteten Räumen des Tagungszentrums Palafiori. Und nicht etwa ein Versicherungskongress lockt den 84-jährigen nach Sanremo, sondern das Europäische Bridge-Turnier.

Gemeinsam mit illustren Namen wie Emma Castro, der Schwester Fidels, Maria Teresa Lavazza aus der gleichnamigen Kaffee-Dynastie oder Romain Zaleski, Milliardär in Schwierigkeiten, legt Bernheim auch dieses Jahr seine Karten bei der Meisterschaft auf den Tisch. Bill Gates konnte nicht dabei sein, weil er dringend nach Afrika musste. Ins Finale am 27. Juni schaffte es Bernheim zwar nicht. Aber dafür kann er sich jetzt wieder ganz auf Generali konzentrieren. Und das ist in diesen Tagen nicht immer erfreulich.

Vor allem Deutschland bereitet Bernheim in diesen Tagen wenig Freude. Mit der Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank wird den Italienern ein wichtiger Vertriebspartner wegfallen, wenn die fusionierte Bank Ende 2010 nur noch die Produkte der ehemaligen Dresdner-Mutter Allianz vertreiben wird. Um das zu verhindern, hat der deutsche Generali-Manager Jörn Stapelfeld Finanzminister Steinbrück gebeten, seinen Einfluss zugunsten der Italiener geltend zu machen. Eine Anfrage, die in Berlin auf Ablehnung stößt.

In Triest will man nichts von dem Brief gewusst haben, und einer der beiden Vorstandsvorsitzenden Sergio Balbinot, ließ am Dienstag wissen, alles laufe wie beschlossen. Aber auch in der Zentrale im Nordosten Italiens dürfte man über die Aussichten in Deutschland nicht glücklich sein. Das Generali-Management hatte es sich sicher anders vorgestellt, als es sich vor zehn Jahren an der Commerzbank beteiligte und die Vertriebspartnerschaft einging.

Auch Bridge-Taktiker Bernheim dürfte sich ärgern, obwohl er damals nicht beteiligt war: Die Entscheidung für die Commerzbank als Vertriebspartner fiel in eine Zeit, in der Bernheims lange Historie bei Generali kurzzeitig durch italienische Machtspielchen unterbrochen wurde, weil ihn der Chef des Generali-Aktionärs Mediobanca kurzzeitig aus dem Amt drängte und für Aufsehen sorgte:

Schließlich gehört Antoine Bernheim schon zum Inventar des Versicherers als Ikone der italienisch-französischen Finanzwelt. Der Franzose, dessen Eltern im KZ Birkenau ermordet wurden, machte sich in Frankreich nach dem Krieg schon bald einen Ruf als Investmentgenie. Mit 43 Jahren steigt er zum Senior Partner der Investmentbank Lazard auf. Damals knüpfte er auch erste Kontakte zu Generali in Frankreich. 1973 holen ihn die Italiener als Mitglied des Generali-Verwaltungsrates nach Triest, später steigt er zum Vize-Präsidenten und 1995 zum Präsidenten auf, bis er 1999 gehen muss.

Doch „Bernheim ist ein harter Knochen“, sagen die, die ihn kennen. Und so kehrt er 2001 zunächst als Vizepräsident zurück, und steigt im Jahr drauf erneut zum Präsidenten auf. Diesen Posten hat er seitdem inne und erlaubt sich so manche Eigenheit, wie etwa die, jahrelang keinen Finanzvorstand im Unternehmen zu haben. Erst 2007 bestellt er mit Raffaele Agrusti den ersten CFO der Firmengeschichte. Oder zum Beispiel, dass er auf Pressekonferenzen in Italien nur auf französisch antwortet. Oder, dass er mit 84 immer noch kein bisschen amtsmüde ist. Er wäre bereit, ein weiteres Mal als Präsident zu kandidieren, so man ihn drum bäte, ließ er jüngst wissen. Trocken kommentiert daraufhin der tunesisch-französische Finanzier Tarak Ben Ammar: „Antoine Bernheim ist so sehr mit Generali verbunden, dass er am liebsten dort sterben würde.“

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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