Anton Schlecker wird 60 Jahre alt
Drogerien-König Schlecker: Der geheimnisvolle Krämer

Deutschlands Drogerien-König Anton Schlecker wird heute 60. Sein Leben ist turbulenter denn je. Denn er spürt den heißen Atem der Konkurrenz.

HB FRANKFURT. Es war an diesem Tag, kurz vor Weihnachten 1987. Der Tag, an dem Anton Schlecker den bittersten und zugleich besten Deal seines Lebens machte. Anstatt die Polizei zu verständigen, verhandelte er selbst. Mit den Männern, die seine Kinder entführt hatten.Und der Drogerienfürst machte das, was er am besten kann. Er drückte den Preis. Am nächsten Tag kamen Lars und Meike unversehrt frei. Anton Schlecker hatte statt den verlangten 18 Millionen nur 9,6 Millionen Mark an die Entführer gezahlt.

Wer ist der Mann, der noch feilscht, wenn es um das Leben seiner Kinder geht? Man muss ins 25 000 Einwohner-Städtchen Ehingen fahren, um die Antwort zu finden. Hier, im Alb-Donau-Kreis, nennen sie das Schlecker-Anwesen nur das „Schlössle“. Zwei Meter Hohe Mauern schützen den Milliardär und seine Familie vor neugierigen Blicken. Videokameras lugen von oben herab. Anton Schlecker ist misstrauisch. Wer will es ihm verdenken? Ab und zu öffnet sich das Tor.

Dann schlüpft ein Aston Martin, ein Ferrari oder auch schon mal ein Jaguar E-Type hindurch. Dann fährt Deutschlands Drogerienfürst im Versace- Hemd zum Tischtennis. Oder in die Schlecker- Konzernzentrale. Ein nüchterner Zweckbau. Fremde kommen nur bis in den sechsten Stock. Von Videokameras auf Schritt und Tritt begleitet, geht es dann zu Fuß ein Stockwerk höher, ins Reich der Schleckers. Alles erstrahlt dort in Mahagoni. In den Vitrinen leuchtet wertvolles Porzellan. Und eine Karikatur hängte da: Anton Schlecker als Gondoliere. Seine Frau Christel ist die Galionsfigur am Bug der Prachtgondel. Die Gondeln der Konkurrenten Götz Werner und Dirk Rossmann verlieren. Schlecker siegt.

Kampf um das Lebenswerk

Zurzeit hat er die Ermutigung nötig. Denn Schlecker muss um sein Lebenswerk kämpfen. Und er ficht an zwei Fronten. Von Billigheimer-Seite greifen Lebensmittel-Discounter wie Lidl und Aldi an. Die erweitern ihr Drogeriesortiment immer weiter und stoßen in ländliche Regionen vor. Schleckers Domäne. Noch heftiger tobt die Abwehrschlacht gegen die agressiven Drogeriemarktketten Rossmann und dm. An beiden Fronten stehen die Zeichen auf Rückzug. In seinen deutschen und österreichischen Läden erwartet Schlecker kein Wachstum mehr. Und die Expansion in Osteuropa kommt nicht in Fahrt. Seit 2002 verliert der Drogeriekönig Marktanteile an die Wettbewerber dm und Rossmann. Das gab es in der Schlecker-Historie noch nie.

„Das Konzept stimmt“, glaubt Anton Schlecker. „Es muss nur weiter verfeinert werden.“ Eigentlich ist er ja der Typ fürs Grobe. Im Jahr 1965 trat er in das vom Vater gegründete Unternehmen ein. Vater Schlecker führte eine Fleischwarenfabrik mit acht Metzgerei-Filialen in Ehingen. Am Stadtrand baute der Sohn 1967 das erste Warenhaus. Mit dem Wegfall der Preisbindung für Drogerie-Artikel kam die große Chance. Anton Schlecker errichtete 1975 in Kirchheim/Teck seinen ersten Drogeriemarkt. Ende der 70er mietete er alles an, was er kriegen konnte. Bereits 1977 gebot der Drogerie-König über 100 Filialen. Im Jahr 1987 expandierte er nach Österreich, investierte in den Folgejahren in den Niederlanden, Spanien und Frankreich.

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