Anwälte raten Ärzten: Weigern bringt nichts
Patienten haben Recht auf Durchblick

Als Frau O. 2004 wegen ihrer Sehprobleme mit ihrer Tochter beim Augenarzt war, verstand sie nach der Untersuchung nichts von dem, was der Mediziner ihr mitzuteilen hatte.

HB KARLSRUHE. Die 88-jährige Dame war schwerhörig und auch ihre Tochter war keine große Hilfe, war es mit ihren Ohren doch auch nicht mehr zum Besten bestellt. In Bruchstücken vernahm sie jedoch, dass bei ihrer Mutter "wohl ein grauer Star" vorliege. Weiter glaubte sie gehört zu haben, dass es Veränderungen der Netzhaut geben könnte, die vielleicht von einem Kollegen untersucht werden müssten. Die Frauen fragten zwar nach, bekamen von ihrem Arzt jedoch nie einen genauen Befund oder Auskunft darüber, ob eine Überweisung nötig sei. Auch einen schriftlichen Bericht erhielten sie trotz mehrfachen Nachfragens nicht. Ein Untersuchungsbericht an den Hausarzt unterblieb ebenfalls.

Die alte Dame stellte einen Eilantrag beim Amtsgericht Bochum mit dem Inhalt, den Arzt zu verpflichten, ihr einen schriftlichen Befundbericht über die Untersuchung auszuhändigen. Das Gericht wies den Antrag jedoch ab, ihre Beschwerde vor dem Landgericht in Bochum blieb ebenfalls ohne Erfolg. Die 88-jährige habe keinen Anspruch auf Herausgabe der Behandlungsunterlagen, sondern dürfe diese nur einsehen, hieß es. Dabei ging es hier doch eigentlich um etwas anderes, wie das Bundesverfassungsgericht später konsterniert feststellen sollte.

Der Fall zeigt: Wer zum Arzt geht, verlässt die Praxis nicht immer gesundet. Vor allem wenn es um Einsicht in die Medizinerakten geht, müssen Patienten immer wieder quälend lang darum kämpfen, den Inhalt der sie betreffenden Unterlagen in Erfahrung zu bringen. Vor allem ältere Ärzte tun sich den Erfahrungen von Rechtsanwälten zufolge schwer damit, Unterlagen ihren Patienten zugänglich zu machen - in welcher Form auch immer. "Manchmal rufen Ärzte an und fragen völlig aufgelöst, was sie denn jetzt tun sollen", erzählt die auf Patientenrecht spezialisierte Anwältin Ilse Dautert von der Sozietät Dautert & Dieblich. Sie rät in Fällen, in denen der Patient eine Haftungsklage vorbereitet: Kontaktieren Sie ihren Haftpflichtversicherer.

Seite 1:

Patienten haben Recht auf Durchblick

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%