Anwälte und Klienten
Warmer Regen für die Großen

Großkanzleien werden immer teurer. Dass ihr Weizen blüht, dafür sorgt schon der Gesetzgeber - ergab eine Handelsblatt-Umfrage. Die Klienten müssen feilschen lernen, wollen sie die Rechnungshöhe im Rahmen halten.

DÜSSELDORF. „Schließlich hat Ihr Auftrag ja auch keinen Spaß gemacht“, bekam Petra Würz, Chefjuristin der Vereinigten Postversicherung aus Stuttgart, von einer renommierten internationalen Kanzlei zu hören, als sie die Rechnung beanstandete. Ihr war die Honorarforderung eindeutig zu hoch. Der Kommentar dazu zeigt: Den Großkanzleien geht es sehr gut, sonst wäre so eine Antwort gegenüber zahlenden Kunden undenkbar.

Ganz offensichtlich können sich die internationalen Anwaltsfirmen diese Haltung auch leisten, erhöhten sie doch auch dieses Jahr ihre Stundensätze um drei Prozent – auf durchschnittlich 285 Euro. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es noch 253 Euro, also eine Steigerung von zwölf Prozent seitdem. „Zu teuer“ meinen dazu denn auch 64 Prozent der Befragten in der Handelsblatt-Umfrage unter den 1500 größten Unternehmen in Deutschland, die dieses Jahr zum sechsten Mal stattfand: Gefragt wurde zum Beispiel, was die Unternehmen von ihren Anwälten erwarten, was ihnen die Juristen bieten, was sie die Anwaltsstunde jetzt kostet, ob die Kanzleien Rabatte geben und wie viel. Und was die Firmen an den Juristen auszusetzen haben.

Die wichtigste Erkenntnis: Das Kostenbewusstsein der Mandanten steigt immer weiter. Vor einem Jahr war es erst jedes zweite Unternehmen, das seine Mandate gezielt unter Kostenaspekten vergab. Heute sind es bereits zwei Drittel der Firmen, die ihre Angelegenheiten mal an eine günstigere Großkanzlei, mal an eine kleinere oder eine regionale Kanzlei übergeben, um Kosten zu sparen. So kritisierte ein Berliner Maschinenbauer: „Bei Großkanzleien steht manchmal nicht das wirtschaftliche Interesse der Mandanten, sondern das der Kanzlei im Vordergrund.“ Keine gute Basis für ein Vertrauensverhältnis – aber darauf kommt es den Chefjuristen in den Unternehmen an, wie die Umfrage weiterhin ergab.

Was außerdem kritisiert wird: Dass Anwälte immer noch zu wenig kaufmännisch denken und zu sehr juristisch, finden 44 Prozent der Unternehmen. Das ist eine Steigerung zum Vorjahr um 15 Prozentpunkte.

Alf Eichelbaum, Chefjurist beim Handelsunternehmen Rhenus bei Dortmund, ärgert sich vor allem über die versteckten Preissteigerungen: „Sie sind besonders unnötig und ärgerlich.“ Wie das geht? Indem gerade die angelsächsischen Kanzleien dazu übergegangen sind, die Vertragswerke aufzublähen, an US-Standards anzugleichen, obwohl es, genau genommen, im deutschen Rechtssystem nicht erforderlich ist. Die Seitenzahl steigt signifikant – die Arbeitszeit und die Rechnungshöhe auch.

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