Anzeige gegen Klatten wegen Prozessbetrugs
Werner Klattens Abrechnung nach fünf Jahren

EM.TV-Chef Klatten prozessiert gegen seinen Vorgänger Haffa: Der erste Verhandlungstag läuft gut für ihn.

HB MÜNCHEN. Von Thomas Haffa ist nicht mehr viel zu hören. Der EM.TV-Gründer und Ex-Star des Neuen Markts ist abgetaucht: Er hat sich in ein kleines Büro in der Münchener Innenstadt zurückgezogen. Von hier aus lenkt der 52-jährige Multimillionär seine private Fluglinie und sein Engagement beim LKW-Zulieferer Kögel.

Da geht es Haffas Nachfolger an der EM.TV-Spitze ganz anders: Werner Klatten steht im Rampenlicht. Seit drei Jahren müht er sich mit der Sanierung der Medienfirma. Am Dienstag konnte er erstmals wieder schwarze Zahlen präsentieren. Der 59-Jährige freute sich: „Im Jahr 2004 haben wir die Vergangenheit endgültig hinter uns gelassen.“

Doch so weit ist es noch lange nicht. Gestern begann im Landgericht München I der mit Spannung erwartete Prozess, der die kurze Geschichte der Medienfirma noch einmal aufarbeitet. EM.TV-Chef Klatten hat Vorgänger Haffa, dessen Bruder Florian, ehemals EM.TV-Vize, und den früheren Aufsichtsratschef Nickolaus Becker verklagt. Immerhin 200 Millionen Euro Schadensersatz will Klatten haben. Der Grund: Das Trio habe beim milliardenschweren Einstieg in die Formel 1 vor fast genau fünf Jahren „jede kaufmännische Sorgfalt außer Acht gelassen“.

Es ist in Deutschland ein bisher wohl einmaliger Vorgang, dass eine Firma Schadensersatz in solcher Höhe vom alten Vorstand verlangt. Immerhin hatte Haffa EM.TV 1989 selbst gegründet, war zwölf Jahre Vorstandschef und bis zuletzt beteiligt. Klatten aber bereitet nun sogar weitere Klagen vor. „Wir sind verpflichtet, Schadensersatzansprüche geltend zu machen“, meint der neue EM.TV-Lenker. Auch wenn die Kontrahenten gestern nicht persönlich vor Gereicht erschienen, das Image aller leidet, wenn die alten Geschichten wieder erzählt werden, noch dazu vor einem Richter.

In einem Strafverfahren wurde der so oft so braun gebrannte Sunny-Boy Thomas Haffa wegen falscher Darstellung der Lage bei EM.TV bereits zu einer Geldstrafe von 1,2 Millionen Euro verurteilt. Jetzt könnte es noch ärger kommen, auch wenn Haffa-Anwalt Thomas Mahlich von der Frankfurter Kanzlei Jones Day gestern die Vorwürfe barsch zurückwies: „Das ist doch alles Blödsinn.“

Dabei stehen Klattens Chancen vor der 5. Kammer für Handelssachen gar nicht so schlecht. Der Vorsitzende Richter Helmut Krenek deutete gestern am ersten Verhandlungstag im voll besetzen Sitzungssaal 501 vorsichtig an, dass das Gericht durchaus eine Pflichtverletzung und Fehler des Vorstands und des Aufsichtsrats für möglich hält.

Licht ins Dunkel der Altverträge soll vor Gericht nun ein Wirtschaftsprüfer als Sachverständiger bringen. Die Sache ist kompliziert: Am 17. März 2000, auf dem Höhepunkt des großen Börsenrauschs, kaufte Haffa 50 Prozent am Formel-1-Zirkus und bezahlte dafür 1,7 Milliarden Euro in bar und mit eigenen Aktien. Damit nicht genug: Der smarte Medienmanager unterschrieb mit Formel-1-Patron Bernie Ecclestone auch noch eine verhängnisvolle Vereinbarung. EM.TV musste über ein Optionsgeschäft etwa ein Jahr später weitere Anteile an der Formel 1 für knapp eine Milliarde Dollar kaufen. Das Geld sollte über einen Börsengang oder am Kapitalmarkt beschafft werden. Doch der Einbruch der Kapitalmärkte und der Zusammenbruch der Kirch-Gruppe machten alle Pläne zur Makulatur. EM.TV entging nur knapp der Insolvenz.

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