AOL
Mit Blut, Schweiß und Tränen

Vorstandschef Tim Armstrong räumt beim angeschlagenen Internetriesen AOL radikal auf: Ein Drittel der Belegschaft muss gehen, 300 Millionen Euro sollen jährlich eingespart werden. Damit soll vor allem mit Hinblick auf den geplanten Börsengang im Dezember ein Zeichen gesetzt werden.
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DÜSSELDORF. Tim Armstrong hat ohne Zweifel ein Gespür für den großen Auftritt. Am 17. März 2009, kurz nach seiner Ernennung zum Chef des schwer angeschlagenen Internetriesen AOL, zelebriert der 38-Jährige vor über 1 000 Mitarbeitern am Stammsitz in Dulles, Virginia, seine Krönungsfeier.

Doch statt mit der Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede zu beginnen, mit der ein neuer Chef auf harte Zeiten einstimmt, hat sich Armstrong eine Überraschung ausgedacht. Als plötzlich AOL-Gründer Steve Case - von der ungeliebten Mutter Time Warner aus dem Unternehmen geworfen - und der frühere Vizepräsident Ted Leonsis auf die Bühne treten, tobt die Masse. Wir sind wieder wer, lautet Armstrongs Botschaft. Der mit Skepsis erwartete Jungmanager steht plötzlich in einer Reihe mit den Legenden. Nach Jahren der Demütigungen verspricht er, AOL unabhängig zu machen und zu neuer Größe zu führen. Jubel.

Doch die Aufbruchstimmung des Frühlings ist verflogen, es ist Herbst. Vergangene Woche holt Armstrong nun nach, was schon im März klar war: Blut, Schweiß und Tränen. Ein Drittel der AOL-Mitarbeiter muss gehen. Wen es trifft, will er zur Weihnachtszeit bekanntgeben. Armstrong setzt ein Zeichen für die potenziellen Investoren: Geschätzte 300 Millionen Dollar jährlich spart er ein. Am 10. Dezember kommt der Börsengang.

Und der zieht einen Schlussstrich unter das wahrscheinlich größte Fusionsdesaster der Wirtschaftsgeschichte. Die im New-Economy-Himmel im Jahr 2000 geschlossene Ehe zwischen AOL und dem Medienkonzern Time Warner wird geschieden. Von über 200 Milliarden Dollar Börsenwert sind keine 40 Milliarden mehr übrig, AOL selber wird derzeit rechnerisch mit kaum 3,5 Milliarden Dollar bewertet - eine neue Wachstumsstory muss her.

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