Arbeitslosigkeit
Ohne Entlassungen durch die Krise

Entlassungen sind in der Krise nicht der Königsweg: Kommt der Aufschwung zurück fehlt wichtiges Know-how und ob einst entlassene Mitarbeiter zurückkehren, ist oft fraglich. Doch wie den Brain-Drain stoppen und in der Flaute auf Entlassungen verzichten?Handelsblatt.com zeigt die Alternativen.
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DÜSSELDORF. Als erste müssen in der Krise die Zeitarbeiter gehen. Da sie nicht bei den Unternehmen selbst beschäftigt sind, genießen sie auch keinen Kündigungsschutz. Sie können jederzeit gekündigt werden - sofern dies in Übereinstimmung mit den Regeln geschieht, die der Arbeitgeber mit den Zeitarbeitsfirmen getroffen hat. "Zeitarbeiter sind nicht nur ein Puffer für Flexibilität nach oben, sondern auch nach unten", sagt Michael Burda, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Berliner Humboldt-Universität, "ein Unternehmen wie Infineon müsste ohne Zeitarbeiter schon längst geschlossen worden sein."

In zahlreichen Unternehmen bleiben zudem offene Stellen unbesetzt - und das schon mehrere Monate lang. Laut Burda können mithilfe eines solchen Einstellungsstopps durchaus Kosten gesenkt werden: "Durch die normalen Abgänge von Mitarbeitern können im Quartal drei Prozent und mehr der Belegschaft eingespart werden." Allerdings werde auch die Personalfluktuation in der Krise geringer. "Langfristig gesehen ist ein Einstellungsstopp tödlich", warnt Burda. Da kein frisches Blut ins Unternehmen käme, würde die Firma altern.

Manchmal ist auch das Kürzen der Gehaltszulagen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld wirksam - auch damit können Personalkosten eingespart werden. Arbeitgeber müssen hier gut abwägen: "Wenn der Kostenanteil der Belegschaft an den Gesamtkosten des Unternehmens eher gering ist, verursacht solch ein Schritt mehr Ärger als Nutzen."

Die rechtlichen Rahmenbedingungen eines solchen Einschnitts, haben sich viele Arbeitgeber bereits vor der Krise geschaffen, sagt etwa Arbeitsrechtsexperte Henning Timm von der Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle. "Unternehmen bemühen sich oft von vornherein, die Gewährung solcher Leistungen so zu auszugestalten, dass diese im Falle einer wirtschaftlichen Schieflage gestoppt werden können.

Dies wird dadurch erreicht, dass der Arbeitgeber die Zulagen unter sogenannte Freiwilligkeits- oder Widerrufsvorbehalte stellt." Fehlen solche Vorbehalte allerdings, kommt eine Kürzung oder ein Stopp nur dann in Betracht, wenn der Betrieb andernfalls in eine existenzbedrohliche Lage gerät. Anders sieht es bei Versorgungszusagen wie der Altersvorsorge aus, sagt Timm. Die könne man rechtlich nur sehr schwer einstellen. "Man sollte dies nur als allerletzte Maßnahme in Betracht ziehen."

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