Arbeitsmarkt
Das Tandem-Prinzip

Der Technologiekonzern ABB hat eine Antwort auf den demografischen Wandel: Er spannt Jung mit Alt zusammen, um dem Wissensverlust zu trotzen. Das Prinzip funktioniert blendend, profitieren doch nicht nur die Generationen voneinander, sondern das Unternehmen auch von den Synergieeffekten.

MANNHEIM. „Gehen wir mal was essen“, sagt Maurer zu Neubauer. Die Mensa von ABB in Mannheim liegt fünf Minuten Wegstrecke entfernt von ihren Büros. Fünf Minuten für Gespräche unter Männern, die sich gut kennen, aber nicht oft sehen. Als Vertriebsmitarbeiter für gasisolierte Schaltanlagen sind sie weltweit für den Technologiekonzern unterwegs, doch selten gemeinsam an einem Ort. Peter Maurer, 36, und Werner Neubauer, 54, arbeiten als Tandem. Das ist wie beim Fahrradfahren: Mal sitzt der eine vorn am Lenker, und der andere tritt stärker in die Pedale, mal der andere. Einer allein kommt schlecht vorwärts. Das Ziel vor Augen haben beide.

Sechs Jahre ist es jetzt her, dass in der Chefetage beschlossen wurde, sie zu verkuppeln, „alte Hasen“ mit „jungen Füchsen“. Bei der deutschen ABB hat das Methode. Das innovationsgetriebene Unternehmen will einen Mix der Generationen erreichen, bei dem die Kompetenz der Beschäftigten zählt – und nicht ihr Alter.

„Generations“ heißt das Personalprogramm, und mit seinem Ansatz taugt es durchaus als Vorbild für viele Konzerne in Deutschland. Denn es ist die Antwort eines Unternehmens auf eines der drängenden Probleme dieser Zeit: den demografischen Wandel.

Die Deutschen werden immer älter, doch sie verlassen zuhauf die Unternehmen – und mit ihnen geht ihr Wissen. Bei ABB zum Beispiel: Während in den nächsten zehn Jahren 19 Prozent der Beschäftigten in Deutschland in den Ruhestand wechseln, steigt die Zahl bis zum Jahr 2026 auf 53 Prozent. Und je höher der Anteil der Mitarbeiter ist, die in Rente gehen, desto höher wird die Gefahr, erfolgskritisches Know-how zu verlieren.

„Wir brauchen das Wissen und die Abgeklärtheit der Älteren“, sagt Heinz-Peter Pfaffenholz, 62, Mitglied des Vorstands und Arbeitsdirektor der deutschen ABB. „Frühpensionierungen oder auch Outsourcing-Maßnahmen sind oftmals mit einem erheblichen Know-how-Verlust verbunden. Wir müssen aufpassen, dass wir uns in Deutschland nicht selbst kannibalisieren.“

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