Arbeitsmarkt: Woher das neue Jobwunder kommt

Arbeitsmarkt
Woher das neue Jobwunder kommt

Der Arbeitsmarkt floriert wieder. Allein für Absolventen, Fach- und Führungskräfte gibt es aktuell über 33.000 neue und vakante Stellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage unter knapp 400 Unternehmen.
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Vom Fachkräftemangel erfährt Stefan Lauer derzeit höchstens aus der Zeitung, in seinem Alltag spielt er keine Rolle. Lauer ist seit mehr als zehn Jahren Personalvorstand der Deutschen Lufthansa, aber eine solche Flut von Bewerbungen hat der 55-Jährige in seiner Amtszeit noch nicht erlebt. Allein 115.000 waren es im vergangenen Jahr, in 2011 wird diese Zahl aller Voraussicht nach sogar noch übertroffen. Lauer und seine Kollegen aus der Rekrutingabteilung haben somit derzeit die sprichwörtliche Qual der Wahl: Die Lufthansa will in diesem Jahr 4000 neue Mitarbeiter einstellen – so viel wie kein anderes deutsches Unternehmen. So wie die ersten Sonnenstrahlen Hoffnung und Lust auf den Frühlingsbeginn machen, blüht auch in der deutschen Wirtschaft inzwischen die Pflanze namens Aufschwung. Die Konzerne haben die Krise nicht bloß überstanden – sie kommen auch gestärkter aus ihr zurück als von vielen erwartet. „Die Euro-Zone humpelt, das größte Mitglied sprintet“, dichtete im Januar das britische Wirtschaftsmagazin „Economist“, als es sich mit der deutschen Konjunktur beschäftigte. Die Überschrift des Artikels: „Angela im Wunderland“.

Wirtschaftsverbände sehen Anstieg

Vor wenigen Wochen stimmte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ebenfalls in den Chor der Gratulanten mit ein. Die Erholung sei mittlerweile „auch in der Binnenwirtschaft voll angekommen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des DIHK, Martin Wansleben, auf einer Pressekonferenz.

Dort präsentierte er eine Umfrage seines Verbands unter 28.000 Unternehmen im vergangenen Herbst. Demnach sind die Betriebe so optimistisch wie zuletzt im Jahr 2007. Sie wollen mehr Waren produzieren, exportieren und auch mehr investieren – und zwar nicht nur in neue Anlagen und Maschinen, sondern ebenfalls in die Zahl ihrer Mitarbeiter. Daher wird sich die Summe der Beschäftigten nach Schätzungen des DIHK in diesem Jahr um 300.000 erhöhen.

Das neue deutsche Jobwunder betrifft fast alle Branchen und Fachrichtungen. 35 von 46 Wirtschaftsverbänden rechnen in 2011 mit steigenden Umsätzen, ergab eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Ende des vergangenen Jahres – und davon profitieren auch die Arbeitnehmer. Zu den Gewinnern gehören vor allem Akademiker – und zwar sowohl Absolventen auf der Suche nach dem ersten festen Job als auch Fach- und Führungskräfte, die sich aktuell nach einer neuen, womöglich besseren Stelle umsehen wollen. Das zeigt auch die exklusive Umfrage der WirtschaftsWoche, für die in den vergangenen Wochen 380 Unternehmen angeschrieben wurden.

Post bekamen nicht nur alle börsennotierten Konzerne aus Dax, MDax, TecDax und SDax. Es beteiligten sich zudem -renommierte Anwaltssozietäten, Konsumgüterhersteller, Mittelständler, Wirtschaftsprüfungen und Unternehmensberatungen, außerdem antworteten auch deutsche Tochterfirmen ausländischer Betriebe. Kernfrage: Wird die Gesamtzahl Ihrer Belegschaft in diesem Jahr steigen, sinken oder gleich bleiben?

Von den 152 Unternehmen, die hierzu Stellung bezogen, wollen 65 Prozent am Ende des Jahres mehr Mitarbeiter beschäftigen. 29 Prozent haben vor, die Zahl konstant zu halten, nur sechs Prozent rechnen mit weniger Angestellten.

Die Umfrage mag nicht repräsentativ sein. Dennoch bestätigt sie den aktuellen Aufwärtstrend und gibt eine klare Übersicht darüber, wie es um die Unternehmen und die Stellenangebote momentan bestellt ist. Kein Zweifel: Es geht wieder was auf dem Arbeitsmarkt – auch für hoch Qualifizierte.

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