Arcandor
Bitteres Nachspiel für Karstadt-Chef Herzberg

Das dürfte ein unrühmlicher Rekord sein: Arcandor schuldet offenbar 75.000 Gläubigern Geld. Viele von ihnen sind Mitarbeiter des insolventen Konzerns. Derweil gibt es Streit um den Karstadt-Chef Stefan Herzberg. Der soll gehen, will aber nicht. Hinter dem Fall steckt eine spannende Geschichte.

DÜSSELDORF. Der erste gezielte Schlag unter die Gürtellinie trifft Stefan Herzberg am Dienstag exakt um 15.37 Uhr. Arcandors Vorstand mit Zuständigkeit für die Karstadt-Warenhäuser beende seine "Tätigkeit für das Unternehmen", lässt der soeben ernannte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg per Agenturmeldung verbreiten. Das Schreiben ist amtlich. "Ad-hoc-Meldung nach § 15 WpHG", steht über der Ankündigung.

Der zweite Tiefschlag ereilt den 44-Jährigen am Morgen danach. Man habe ihm den Stuhl vor die Tür gesetzt, schreibt eine bundesweite Tageszeitung auf der Titelseite, weil Herzberg "eigenmächtig den Verkauf von Karstadt-Teilen an den Rivalen Metro vorangetrieben habe". Eine Quelle nennt die Zeitung nicht.

Der Fall müsste eigentlich die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin beschäftigen. Denn tatsächlich hat Stefan Herzberg sein Mandat keineswegs niedergelegt, wie die Meldung vermuten lässt. Im Gegenteil. "Herzberg ist von Görg über die Kündigung mündlich informiert worden und hat sogleich widersprochen", sagt dem Handelsblatt ein enger Vertrauter von Herzberg, der aus arbeitsrechtlichen Gründen selbst zu dem Vorfall schweigt.

Damit aber bleibt der Karstadt-Chef ganz offiziell Mitglied des Vorstands. "Da müsste er schon selbst das Amt niederlegen", bestätigt der Essener Rechtsprofessor Sebastian Krause von der Kanzlei KS Rechtsanwälte, "denn auch während des Insolvenzverfahrens ist allein der Aufsichtsrat berechtigt, Vorstände abzuberufen". Dem Kontrollgremium indes wurde die Personalie erst gar nicht vorgetragen, wie ein Aufsichtsratsmitglied bestätigt. Im Gegensatz zu Herzberg hatten Arcandor-Vorstandschef Karl-Gerhard Eick und vier andere Vorstandsmitglieder am Dienstag ihr Amt niedergelegt.

Bei der Bonner Aufsichtsbehörde BaFin regt sich bislang niemand. Die Formulierung "beenden ihre Tätigkeit für das Unternehmen" lasse auf eine Handlung "irgendwann in der Zukunft" schließen, meint dazu eine Sprecherin.

Mehr Gedanken über die Ad-hoc-Formulierung hat sich dagegen das Büro von Insolvenzverwalter Görg gemacht. "Organschaftlich können wir Herzberg als Vorstand zwar nicht abberufen", räumt ein Sprecher ein, "dafür aber seinen Dienstvertrag beenden." Er bekomme damit kein Gehalt mehr. Das deutsche Recht sei in diesem Fall eben etwas "unsauber".

Seite 1:

Bitteres Nachspiel für Karstadt-Chef Herzberg

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%