Arcandor-Chef
Thomas Middelhoff: Ein Mann und seine Farbenlehre

Thomas Middelhoff verlässt Arcandor und ist mit seiner Arbeit weitgehend zufrieden. Trotz der roten Zahlen, die der scheidende Firmenchef dem ehemaligen Karstadt-Quelle-Konzern hinterlässt, sieht er die Zukunft des Handels- und Touristik-Unternehmens rosig. Über den Abgang eines Mannes ohne Selbstzweifel.

DÜSSELDORF. Es war ein Spiel auf Risiko. Er hat es gewonnen. "Präsentation A" raunt Thomas Middelhoff in Düsseldorfs Stadthalle kaum hörbar seinem Mitarbeiter zu. Dann schwellt er die Brust und verkündet: Das Paket von 74 kleineren Warenhäusern habe man soeben für knapp eine halbe Milliarde Euro an ein britisches Konsortium verkauft. Braun gebrannt, mit strahlendem Lächeln und ohne eine Schweißperle auf der Stirn fügt er triumphierend hinzu: "Wer hätte uns das vor einigen Wochen zugetraut?"

Wohl nicht einmal er selbst. Dass "Präsentation B" in der Schublade bleibt, ist an diesem 3. August 2005 reines Glück. "Noch 20 Sekunden vor dem Start der Pressekonferenz wussten wir nicht, ob die Käufer den Vertrag beim Notar überhaupt unterschreiben würden", berichtet jemand, der dabei war.

Schon wieder dieses Vabanque-Spiel, dieser Temporausch: Die atemberaubende Geschwindigkeit, in der "TM", wie der Manager mit der randlosen Brille im Essener Handels- und Touristikkonzern heißt, milliardenschwere Transaktionen vorantreibt, ist sein Aushängeschild. Die Kaffeehäuser von Starbucks, die Sportstudiokette Karstadt Fitness, die Filialisten Runners Point und Golf House, die Kaufhausketten Wehmeyer und Sinn-Leffers: sie alle wirft Thomas Middelhoff auf den Markt. Später folgen die Versandlogistik, Karstadts IT-Tochter, das riesige Immobilienportfolio und der Versender Neckermann. Über Jahre hinweg herrscht in Essen Schlussverkaufsstimmung.

Jetzt aber, im Februar 2009, ist alles anders. Obwohl den in Arcandor umbenannten Konzern weiter Ertragsprobleme plagen, ist kaum noch etwas zu verscherbeln. Ob der MDax-Konzern die versprochenen Ziele zum Jahresende erreichen wird, ist fraglich. Am Donnerstag jedenfalls nahm sie der scheidende Konzernchef, der Ende Februar Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick Platz macht, bei seiner letzten Pressekonferenz offiziell zurück.

Am Selbstbewusstsein von Thomas Middelhoff kann das freilich nicht kratzen. "Ich weiß, dass ich Arcandor nicht vollständig besenrein hinterlasse", zeigte er sich am Donnerstag scheinbar einsichtig, um dann wohlgelaunt hinzuzufügen: "Aber ohne den von mir geleiteten Konzernumbau hätte es diese Pressekonferenz wohl nicht mehr gegeben."

Es ist der Abgang eines Mannes ohne Selbstzweifel. Noch immer schwärmt der 55-Jährige von der aus seiner Sicht erfolgreichen Weichenstellung für Arcandor. So auch am vergangenen Dienstag, als er beim Mittagessen in gediegener Atmosphäre noch einmal Bilanz zieht. Wie immer ist er aufgeräumter Stimmung, erzählt Anekdoten, ist zufrieden. Auch über seine Hinterlassenschaft: Das Internetgeschäft werde künftig Quelles dümpelndem Versandhandel wieder in Schwung bringen, prophezeit Middelhoff, die gelungene Expansion des Versenders nach Russland gebe ebenso Anlass zur Hoffnung - und auch der Ausbau der Touristikbeteiligung Thomas Cook biete Arcandor riesige Chancen. Seine Augen blitzen dabei so überzeugend, als wisse Middelhoff schon jetzt die Lottozahlen vom kommenden Wochenende.

Wer es wagt, seine Verheißungen zu hinterfragen, der wird in den Augen des forschen Managers gleich zum Miesmacher. "Während wir uns bereits in der Entwicklung nach vorn befinden", hat er seinen Aktionären auf der letzten Hauptversammlung zugerufen, "wollen uns manche dort noch gar nicht sehen. Aber wir sind definitiv zurück auf der Erfolgsspur."

Seite 1:

Thomas Middelhoff: Ein Mann und seine Farbenlehre

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%