Arcandor-Insolvenzverwaltung
Quelle: Insolvenzverwalter macht Kasse

Dass eine Insolvenz nicht das Ende bedeuten muss, wurde im Jahr 2009 zu einem häufig gebrauchten Zitat. Dass eine Insolvenz allerdings auch für volle Taschen sorgen kann, ist zu einem Steckenpferd Arcandors geworden. Middelhoff, Eick und nun Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg – die Liste der gutbezahlten Gescheiterten ist illuster.

DÜSSELDORF. Die Szenerie ist gespenstisch, als Klaus Hubert Görg - damals noch vorläufiger Insolvenzverwalter von Arcandor - am 13. August in Nürnberg seinen Sanierungsplan skizziert. In einer völlig leeren Versandhalle des Kataloganbieters Quelle, die der Größe nach auch für einen Flugzeug-Hangar durchgehen könnte, stehen zwei wackelige Tische. Einen Internetzugang sucht man vergeblich. Nicht einmal ausreichend Stühle sind vorhanden. Ein Großteil der eilig angereisten Journalisten lauscht seinen Ausführungen im Stehen.

Als wäre diese Endzeit-Szenerie nur ein Versehen, ruft Görg in die überforderte Mikrofonanlage: Die "neue Quelle" habe "realistische Möglichkeiten, sich durch eine Sanierung im Insolvenzverfahren als europäischer Marktführer im integrierten Homeshopping aufzustellen". Dann aber hat es der knorrige Rechtsanwalt, dem tiefe Charakterfalten ins Gesicht gegerbt sind, eilig. Gespräche mit Bankvertretern riefen, entschuldigt er sich hastig.

Dinge schönzureden, die längst nicht mehr zu retten sind - das hat bei Quelles Mutterkonzern Arcandor eine lange Tradition. "Quelle ist neu ausgerichtet - Turn-around im Universalversand Deutschland erreicht", schwadronierte der damalige Vorstandschef Thomas Middelhoff Ende 2008 im Geschäftsbericht. Nachfolger Karl Gerhard Eick schwärmte schon kurz nach seinem Amtsantritt in Essen von "Cross-Marketing"-Aktionen zwischen Quelle und der Reisetochter Thomas Cook, hob die ungeahnten Möglichkeiten für das Versandhausgeschäft durch das Internet hervor und sah schon einen "signifikanten Erfolg bei der bisherigen Restrukturierung".

Für Schwärmereien hatten die drei letzten Sanierer des todgeweihten Arcandor-Konzerns tatsächlich einen triftigen Grund - auch wenn es dabei nicht um die Rettung des Essener Reise- und Handelskonzerns ging. Freuen nämlich können sie sich alle über eine fürstliche Entlohnung ihrer Bemühungen, selbst wenn ein Erfolg bis am Mittwoch unsichtbar blieb.

Nicht einmal Deutschlands Spitzenreiter Siemens gab im vergangenen Jahr so viel für seinen Führungskapitän aus wie Arcandor im Jahr seiner Insolvenz. Thomas Middelhoff, der Ende Februar abtrat, sollen für den vorzeitigen Abgang angeblich vier Mio. Euro versprochen worden sein. Nachfolger Eick, gerade einmal 185 Tage im Amt, kassierte 15 Mio. Euro. Und auch Insolvenzverwalter Görg darf sich, so jedenfalls glauben Branchenkollegen wie Christian Heintze von der Chemnitzer Kanzlei Brockdorff, auf einen siebenstelligen Betrag freuen. Andere Schätzungen gehen sogar von einer Vergütung in zweistelliger Millionenhöhe aus.

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