Arcandor
Investmentbanker der Extreme: Dibelius

Dieser Mann polarisiert. "Entweder man hält ihn für den besten Typen, den man je kennengelernt hat, oder man lehnt ihn komplett ab", sagt ein ehemaliger Weggefährte über Alexander Dibelius, der seit Anfang 2005 bei Goldman Sachs in Deutschland alleine das Sagen hat.

FRANKFURT. Der Mann polarisiert. "Entweder man hält ihn für den besten Typen, den man je kennengelernt hat, oder man lehnt ihn komplett ab", sagt ein ehemaliger Weggefährte über Alexander Dibelius, der seit Anfang 2005 bei Goldman Sachs in Deutschland alleine das Sagen hat.

Das passt bei Dibelius gerade in diesen Tagen, in denen nach der Insolvenz von Arcandor die wildesten Spekulationen über Interessenkonflikte der Bank aufkommen. Klar ist, der Liebhaber schneller Autos spricht für das Immobilienkonsortium Highstreet, das der Arcandor-Tochter Karstadt Warenhäuser vermietet hat und dem neben Goldman Sachs (51 Prozent) die Immobilientöchter von Deutscher Bank, Pirelli, Generali und Borletti angehören. Klar ist aber auch, dass den gelernten Chirurgen mit Metro-Chef Eckhard Cordes eine Männerfreundschaft verbindet und Dibelius der Taufpate des ältesten Cordes-Sohns ist. Schließlich haben die beiden Ende der 90er-Jahre gemeinsam ihr Meisterwerk vollbracht, als sie die Fusion von Daimler mit dem US-Konkurrenten Chrysler einfädelten - Dibelius auf der Seite von Goldman und Cordes als Strategievorstand von Daimler. Zwar hat sich der Deal im Nachhinein als Milliardengrab herausgestellt, jedoch verblüffte es damals, wie einer der größten transatlantischen Unternehmenszusammenschlüsse heimlich, still und leise hinter den Kulissen durchgezogen wurde. Seit dieser Zeit schwärmt Cordes von dem 49-jährigen Banker: "Dibelius ist der beste Investmentbanker, den ich kenne", sagte er schon vor längerem. Daran hat sich nichts geändert. Der Banker sei immer zu 100 Prozent verfügbar, verlässlich und verfüge über einen scharfen Intellekt.



Doch Freundschaft ist eines, das Geschäft ein anderes. Deshalb sagt Goldman Sachs klipp und klar: "Wir beraten weder Arcandor noch Metro." Im Gegenteil: Während Cordes mit seinen Kaufhof-Warenhäusern die Insolvenz des Konkurrenten gerade recht kommt, da er Karstadt zum Schnäppchenpreis kaufen will, passt das Highstreet überhaupt nicht. Denn mit der Insolvenz fließen auch keine Mieteinnahmen, und die addieren sich immerhin auf satte 280 Millionen Euro im Jahr. Dibelius könnte gar nicht an Beraterhonoraren bei einer Filetierung von Arcandor einspielen, was Highstreet an Mieteinnahmen verloren geht. Die guten Zeiten sind ohnehin vorbei, als der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff praktisch alle Investmentbanken-Geschäfte über Goldman Sachs abwickelte.

Um nur alle Interessenkonflikte zu umgehen, tauchte Banker Dibelius mit der schnellen, klaren Stimme an Christi Himmelfahrt zum ersten Übernahmegespräch von Cordes mit Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick erst gar nicht auf, obwohl er eingeladen war. Bei der zweiten Runde am vergangen Sonntag war er allerdings mit von der Partie. Als Vermieter der Warenhäuser wollte er aus purem Eigennutz vermitteln und retten, was noch zu retten war.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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