Arcandor
Karl-Gerhard Eick: Mann ohne Trümpfe

Als Finanzchef der Telekom hat sich Karl-Gerhard Eick einen exzellenten Ruf erarbeitet. Seinen Wechsel an die Spitze von Arcandor im vergangenen Herbst hielten viele Experten schon damals für einen Fehler. Nun ist Eick mit seiner "Mission Impossible" endgültig gescheitert - und die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Insolvenzverschleppung.

DÜSSELDORF/ESSEN. Karl-Gerhard Eick steht im Regen - und zwar im doppelten Wortsinn. Als er gestern vor der Arcandor-Zentrale in Essen den Insolvenzantrag begründet, schüttet es wie aus Kübeln. Kaum hat der Vorstandschef seine fünfminütige Rede beendet, klart auch der Himmel wieder auf.

Der 55-Jährige wird sich wünschen, dass dieser Verlauf nur für das Wetter gilt. Denn er ist mit seiner Arbeit noch nicht fertig. "Jedem Ende wohnt ein Anfang inne", sagt er dem Handelsblatt. "Ich sehe noch viel Potenzial in dem Unternehmen und möchte im Vorstand bleiben - aber darüber bestimmt jetzt der Insolvenzverwalter."

Potenzial - andere sehen es nicht mehr. In der Finanzgemeinde ist die vage Hoffnung zerstoben, dass Eick noch einen Trumpf im Ärmel haben könnte. "Am Anfang haben wir uns gefragt, warum tut sich der Mann diesen Job an?" erzählt ein Analyst. "Und wir dachten, der muss etwas wissen, was uns allen verborgen ist. Jetzt ist klar, dass das nicht so war."

Im Gegenteil: Offenbar war Eick selbst das Ausmaß der Probleme nicht klar, als er sich im vergangenen Herbst für den Posten entschied. Im privaten Kreis verriet er jüngst, er habe zwar gewusst, dass die Zahlen schlecht seien. Dass sie aber so schlecht seien, habe er sich im Traum nicht ausgemalt.

Genau das werfen ihm Kritiker vor. "Eick hat in den drei Monaten an der Spitze zwar keine falschen Entscheidungen getroffen", sagt ein Börsianer. "Es ist aber nicht gerade ein Beleg für sein gutes Urteilsvermögen, dass er den Job überhaupt angenommen hat." Verbrannt sei er deswegen aber nicht, da ist sich die Finanzgemeinde einig. Schließlich sei es von Anfang an eine "Mission Impossible" gewesen.

Auch Sörge Drosten vom Personalberater Kienbaum argumentiert: "Das Renommee von Herrn Eick ist nicht nachhaltig beschädigt. Er stand nur so kurze Zeit an der Konzernspitze, dass man ihm die Probleme nicht anlasten kann."

Einen Gefallen hat sich Eick mit dem Posten aber sicher nicht getan. Bei der Telekom hatte er sich als Finanzchef einen exzellenten Ruf erarbeitet. Er trug den Schuldenberg nach der Jahrtausendwende ab und spielte zuletzt als Interimspersonalchef und vorübergehender Leiter der Geschäftskundensparte zweimal in der Not den Ausputzer.

Nun ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft wegen Insolvenzverschleppung gegen ihn. Ein Privatmann hat Strafanzeige gestellt, dann muss die Behörde aktiv werden.

Die Ermittlungen markieren das traurige Ende eines ehrgeizigen Plans. Eicks Einsatz bei Arcandor sollte ein Triumphzug werden. Der ewige Zweite wollte beweisen, was in ihm steckt. Gute Beziehungen zu Aufsichtsratschef Friedrich Carl Janssen, Nachbar von Eick im noblen Kölner Stadtteil Marienburg und Gesellschafter beim Arcandor-Großaktionär Sal. Oppenheim, werden bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben. Außerdem lockte die Bank mit einem lukrativen Vertrag: Eick sollte 1,5 Prozent des in den ersten fünf Jahren seiner Amtszeit geschaffenen Wertzuwachses als Gratifikation erhalten.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
Sven Prange
Sven Prange
Handelsblatt / Ressortleiter Report und Namen
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