Arcandor
„Retter“ Middelhoff hat Ärger mit der Justiz

Er kam als Hoffnungsträger, ging als Versager und nun ermittelt die Justiz gegen ihn. Für Thomas Middelhoff ist das Kapitel Arcandor weder angenehm noch beendet. Die Essener Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen den früheren Arcandor-Chef eingeleitet. Der Vorwurf lautet Untreue.

HB FRANKFURT. Einst galt Thomas Middelhoff als „Wunderkind“ der deutschen Wirtschaft, jetzt muss sich der frühere Arcandor-Chef möglicherweise vor Gericht verantworten. Die Essener Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 56-Jährigen wegen des Verdachts der Untreue. Hintergrund sind Beteiligungen Middelhoffs und seiner Ehefrau an Immobilienfonds, die Gebäude zu außergewöhnlich hohen Mieten an den zum insolventen Arcandor gehörenden Karstadt-Konzern verpachtet haben sollen.

Raketengleich war der Sohn einer Düsseldorfer Unternehmerfamilie binnen weniger Jahre zunächst im Gütersloher Bertelsmann-Konzern aufgestiegen. Einer seiner größten Coups: Der milliardenschwere Verkauf der Bertelsmann-Beteiligung an AOL im Jahr 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Als Hoffnungsträger wurde Middelhoff in Essen gefeiert, als er 2005 das Ruder beim damals bereits angeschlagenen KarstadtQuelle-Konzern - später Arcandor - übernahm.

Der promovierte Betriebswirt ließ bei der Arcandor-Sanierung keinen Stein auf dem anderen. Er verschenkte die Mehrheit an der tiefrote Zahlen schreibenden Versandhandelstochter Neckermann. Er trennte sich von großen Teilen des stationären Warenhausgeschäfts - von den Handelsketten Wehmeyer und Sinn-Leffers ebenso wie von 74 kleineren Karstadt-Warenhäusern.

Um die erdrückende Schuldenlast des Essener Unternehmens abzubauen, verkaufte Middelhoff die milliardenschweren Immobilien des Konzerns. Einige Häuser kauften Immobilienfonds, an denen Middelhoff sich schon vor seiner Berufung an die Spitze des Touristik- und Handelskonzerns beteiligt hatte. Interessenkonflikte hatte er stets bestritten und beteuert, im Zweifel habe immer Arcandor Vorrang. Die Staatsanwaltschaft geht dagegen nun dem Verdacht der Untreue nach.

Middelhoff verkaufte nicht nur, er kaufte auch zu. Sein wohl größter Coup bei Arcandor: Er sicherte dem Konzern die Mehrheit an der lange Zeit zusammen mit der Lufthansa betriebenen Touristiksparte Thomas Cook und brachte sie nach einer Fusion mit dem britischen Rivalen MyTravel an die Londoner Börse. Der Lohn: Das Tochterunternehmen ist heute mehr wert als der Mutterkonzern und die mit Abstand umsatzstärkste und einzige florierende Sparte des Konzerns.

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