Arcelor-Chef Guy Dollé: Seine letzte Schlacht

Arcelor-Chef Guy Dollé
Seine letzte Schlacht

Freundlich, aber zielstrebig bahnt sich Guy Dollé den Weg. Etwa 150 Kameraleute und Journalisten stehen dicht gedrängt vor dem großen Saal der Luxemburger Messe. Menschen, die der Franzose kennt, begrüßt er mit „ça va“.

LUXEMBURG/ BRÜSSEL. Es ist ein besonderer Tag für den Arcelor-Chef. Nicht nur, weil die Bilanzpressekonferenz wegen des großen Andrangs von einem Schloss auf das Messegelände umziehen musste. Der Luxemburger Stahlkonzern steckt mitten in der Abwehrschlacht gegen den indisch-britischen Familienkonzern Mittal Steel. Es kann gut sein, dass dies das letzte Mal ist, an dem Dollé die Arcelor-Bilanz vorlegt, denn Ende kommenden Jahres endet sein Vorstandsvertrag. Aber zumindest äußerlich lässt er sich das nicht anmerken. Sichtlich entspannter als seine Vorstandskollegen auf dem Podium antwortet er auf die Fragen der Journalisten.

Dem Angreifer Lakshmi Mittal zollt Dollé zwar Respekt: „Sein Erfolg ist unbestritten.“ Doch er macht eines klar: „Wir werden gewinnen.“ Als größte Schwachstelle des Angebots bezeichnet er, dass Mittal die Übernahme Arcelors überwiegend mit eigenen Aktien bezahlen will.

Für den drahtigen Dollé, der mit weit ausholenden Gesten argumentiert, geht es um viel. „Er empfindet das als einen persönlichen Angriff“, sagt Peter Scherrer von der Europäischen Metallgewerkschaft, mit dem sich der Arcelor-Chef kürzlich traf. „Dollé ist ein sehr emotionaler Mensch. Ihm geht es nicht nur um Zahlen, sondern er empfindet auch eine Verpflichtung gegenüber seinen Leuten.“

Deshalb mögen ihn die Gewerkschaften, obwohl Dollé die schmerzliche Restrukturierung bei Arcelor angetrieben hat. Im belgischen Lüttich zum Beispiel schaltet er 2009 den letzten Hochofen ab. In Zukunft wird im belgischen Stahlbecken nur noch „kalt“ produziert. Rund 10 000 Arbeitsplätze gehen verloren.

Aber in der Übernahmeschlacht kann sich Dollé zu 100 Prozent auf seine Mitarbeiter verlassen. Immer wieder melden sich Gewerkschafter mit Kritik an Mittal zu Wort. „Es sind zwei grundverschiedene Unternehmensstrukturen. Das passt nicht zusammen, und das gilt auch für die beiden Chefs“, sagt John Castegnaro, Luxemburger Gewerkschaftspräsident und Mitglied im Aufsichtsrat von Arcelor. Mittal sei auf Profit aus und kenne keine sozialen Verpflichtungen, meint Castegnaro.

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