Armin Mahler ersetzt Thomas Därnstädt
Aust-Kritiker beim Spiegel abgewählt

Die Machtprobe im Spiegel-Verlag ist offenbar entschieden. Die Mitarbeiter haben mit der Neubesetzung der Gesellschafterversammlung indirekt „Spiegel“-Chef Stefan Aust den Rücken gestärkt.

BERLIN. Der Aust-Kritiker Thomas Darnstädt wurde nach einem mehrwöchigen Wahlkampf als Mitglied der Mitarbeiter-KG abgewählt. Der frühere Madrid-Korrespondent des Nachrichtenmagazins und jetzige Autor wird durch Armin Mahler, Ressortleiter Wirtschaft beim „Spiegel“, abgelöst. „Mahler ist ruhig, konstruktiv und ausgerüstet mit wirtschaftlichen Sachverstand“, sagte ein „Spiegel“-Insider gestern. Der Wirtschaftsjournalist Mahler arbeitete früher bei der „Wirtschaftswoche“, die zur Verlagsgruppe Handelsblatt gehört.

Die Mitarbeiter-KG hält 50,5 Prozent an Deutschlands führendem Nachrichtenmagazin. Am Dienstagabend wählten die Mitarbeiter das Führungsgremium, das aus zwei Redakteuren, zwei Verlagsvertretern und einem Mitglied der Dokumentation besteht. Künftig gehören dem Gremium neben Armin Mahler auch Marianne Wellershof (Leiterin „Kultur-Spiegel“), Thomas Hass (Leiter Vertriebsmarketing), Rainer Buss (Controlling) und Cordelia Freiwald (Leitende Dokumentarin) an.

Bereits in der nächsten Woche soll die konstituierende Sitzung der Mitarbeiter-KG stattfinden, heißt es in Teilnehmerkreisen. Dann wird der neue Sprecher der Mitarbeiter-KG bestimmt. Wer die mächtige Position einnehmen wird, ist noch offen. Mahler hat jedoch auf Grund der meisten Stimmen die größten Chancen. Die Entscheidung trifft das fünfköpfige Gremium selbst. Mahler wollte sich auf Anfrage dazu nicht äußern.

Der intern nicht unumstrittene Leiter des Berliner Büros, Gabor Steingart, wurde von den Mitarbeitern hingegen nicht gewählt. Das ist nach Aussagen von Redaktionsmitgliedern keine Überraschung. „Er ist im Haus unbeliebt“, sagt eine ehemaliger Kollege in Hamburg. „Bestseller“-Autor Steingart ist als ein möglicher Nachfolger von Aust auf dem Chefessel des „Spiegels“ im Gespräch. Es gibt hausinterne Spekulationen, dass Steingart für den „Spiegel“ nun vorerst mal in die USA gehen wird.

Der vor fünf Jahren gestorbenen „Spiegel“-Gründer Rudolf Augstein hatte 1974 seine Mitarbeiter als Mehrheitsgesellschafter eingesetzt. Weitere 25,5 Prozent hält der Medienkonzern Bertelsmann über seine Zeitschriftentochter Gruner + Jahr sowie 24 Prozent die Augstein-Erben. Die Besetzung der Mitarbeiter-KG ist für den Hamburger Verlag von großer Bedeutung. Denn sie bestimmt den Chefredakteur. Der Vertrag von Stefan Aust kann frühestens Ende 2008 aufgelöst werden. Unternehmensinsider gehen davon aus, dass Aust nicht zuletzt angesichts der für ihn günstigen Besetzung der Mitarbeiter-KG seinen Vertrag bis 2010 verlängern wird.

„Ich habe alle meine Arbeitsverträge immer erfüllt, bis zum letzten Tag. Ich verstehe mich als Vertreter der Redaktion. Solange die Gesellschafter mich nicht rausschmeißen, ist die Redaktion unabhängig“, sagte der 60-Jährige zuletzt dem „Tagesspiegel“. Die Spiegel-Gruppe mit seinem mehr als 1400 Mitarbeitern erzielte 2005 einen Umsatz von insgesamt 322 Mill. Euro. Zahlen für 2006 liegen noch nicht vor. Die Erlöse des „Spiegel“-Verlag lagen 2005 bei 227 Mill. Euro. Nach Angaben aus Unternehmensinsider seien die Erlöse im vergangenen Jahr um vier Prozent gestiegen. Ende April soll die Bilanz der gesamten Gruppe fertig sein.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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