Arnaud Lagardère
Lieber unfähig als unehrlich

Großaktionär Arnaud Lagardère gerät in der Affäre um Insidergeschäfte beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS in die Enge. Heute muss er sich den kritischen Aktionären stellen, am Donnerstag den Fragen des Parlaments.

PARIS. Der Druck ist groß. Doch sein jungenhaftes Lächeln ist Arnaud Lagardère nicht vergangen: Im hellgrauen Anzug und sportlich karierten Hemd, hält er Rüdiger Grube freundschaftlich im Arm. Die beiden Co-Chairmen von EADS grinsen um die Wette in die Kameras. Das Kursdebakel wegen des Desasters mit dem Superairbus A380? „Niemand trägt juristisch eine individuelle Schuld“, liest Lagardère bei seiner Eröffnungsansprache zur Hauptversammlung des Luft- und Raumfahrtriesen im Mai vom Blatt ab. Rumoren im Saal, ein Aktionär springt auf und ruft: „Da hab ich aber eine andere Meinung!“

Heute steht wieder ein Aktionärstreffen bei EADS an, das es in sich haben dürfte. Sprengstoff birgt weniger die Tagesordnung: Sie sieht nur die Wahl des reformierten Verwaltungsrats und die Abschaffung der Doppelspitze vor. Lagardère gibt dabei den Co-Vorsitz ab und wird künftig nur noch einfaches Mitglied im Aufsichtsgremium sein.

Zündstoff liefert vielmehr die französische Börsenaufsicht AMF: In einem Zwischenbericht äußern die Aufseher den Verdacht, dass 21 Topmanager des Konzerns sowie die beiden EADS-Großaktionäre Daimler und Lagardère bei ihren Aktienverkäufen im November 2005 bzw. Frühjahr 2006 bereits von den Problemen der A380 gewusst haben – Arnaud Lagardère wieder im Kreuzfeuer.

Die Luft- und Raumfahrt, das war der große Traum seines Vaters und Konzerngründers, Jean-Luc Lagardère. Für seinen Sohn Arnaud, der im Frühjahr 2003 nach dem Tod des Patrons überstürzt die Nachfolge antreten musste, entwickelt sich dieser Traum langsam zum Alptraum. Nicht nur wegen seiner Rolle bei EADS ist Arnaud Lagardère heute in Frankreich der wohl umstrittenste Konzernerbe. Die einflussreiche Satire- und Enthüllungszeitung „Le Canard enchaîné“ nennt ihn nur noch höhnisch „eine Mickymaus“.

Arnaud Lagardère haftet das Image an, schlichtweg inkompetent zu sein. In einer Studie der Beratungsagentur VComV über das Image von Frankreichs Wirtschaftskapitänen kommt der 46-Jährige ganz schlecht weg: „Ist der Nachfolge seines Vaters nicht gewachsen“, heißt es dort unter anderem.

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