Arndt Geiwitz
Der Hoffnungsträger der Schlecker-Mitarbeiter

Der Mann, der 30 000 Menschen Hoffnung machen soll, wirft Fragen auf: Mit Arndt Geiwitz hat das Amtsgericht Ulm gestern einen Insolvenzverwalter für Schlecker bestellt, der überrascht - und doch wieder nicht.
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Einerseits zählte der 42-Jährige Mann aus Neu-Ulm nicht zu den im Vorfeld gehandelten Favoriten für den Job. Andererseits wieder doch - und zwar indirekt. Denn Geiwitz ist Kanzlei-Partner von Werner Schneider, einem der derzeit gefragtesten deutschen Insolvenzverwalter. Was der mit seiner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Schneider, Geiwitz & Partner in den vergangenen Wochen beim insolventen Druckmaschinenbauer Manroland geleistet hat, macht Schlecker-Mitarbeitern Mut und Angst zugleich: Schneider strich zwar etwa die Hälfte der Arbeitsplätze, sicherte dem Rest aber eine Zukunft.

Ein Verfahren, von dem sich sein Sozietätskollege etwas abschaut? Das ist die große Frage, die nun durch das blau-weiße Drogeriereich wabert. Antworten darauf gibt es bisher kaum. Denn es sind nicht allzu viele prominente Insolvenzfälle, bei denen Geiwitz Spuren hinterlassen hat. Dennoch betonte der zuständige Amtsrichter Benjamin Webel gestern: Wirtschaftsprüfer Geiwitz sei ein "sehr guter Insolvenzverwalter", der schon viele Verfahren betreut habe. Als "alteingesessen und einer Größenordnung wie Schlecker gewachsen", beschreibt ein Kenner der Branche Geiwitz und seine Kanzlei. "Große wirtschaftliche Erfahrung" sprechen andere Geiwitz und seinem Team zu.

Routine wird er auch brauchen. Die angestrebte Planinsolvenz wird kein Selbstläufer: Gläubiger und Experten äußerten Bedenken. Neben dem Insolvenzantrag soll gleichzeitig auch ein Sanierungskonzept vorgelegt werden.

Geiwitz hat das Fach zumindest von der Pike auf gelernt. Er hat eine Wirtschaftsprüfer-Lizenz, führt außerdem den Titel Diplom-Kaufmann und ist obendrein Steuerberater. Und im Fall Schlecker, seinem bisher größten, kann Geiwitz sich auf die Expertise innerhalb seiner Kanzlei verlassen: Auch Sozius Werner Schneider ist beteiligt als Insolvenzverwalter für die Schlecker-Tochter Schlecker XL GmbH.

Das Gros der Arbeit aber lastet auf Geiwitz, der die Muttergesellschaft wieder flottmachen muss. Einem Gerichtssprecher zufolge muss Geiwitz jetzt eine Bestandsaufnahme machen, "was an Schulden und Aktiva da ist". Anschließend werde er dem Gericht berichten, das dann über die weiteren Schritte entscheide. Neben seiner Fachkompetenz muss Geiwitz demnächst allerdings auch einen Ansturm des öffentlichen Interesses managen. Ein Vorgeschmack dafür: Die Internetseite der Kanzlei brach am Montag unter all den Zugriffen zusammen.

Kommentare zu " Arndt Geiwitz: Der Hoffnungsträger der Schlecker-Mitarbeiter"

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  • Anton Schlecker haftet mit seinem gesamten Vermögen, da er als Unternehmensform die des Einzekaufmanns (e.K.) gewählt hat. Somit ist auch sein gesamtes Beteiligungsvermögen an den Tochtergesellschafter sowie all sein Privatvermögen von der Insolvenz betroffen. Wenn er bei den Tochtergesellschaften nur der alleinige Anteilseigner ist, greift die bei mehreren Gesellschaftern übliche Einziehungsklausel nicht und die Beteiligung ist voll Teil der Insolvenzmasse. - Einen Konzern in dieser Konstellation in die Insolvenz zu führen muss aus fachlicher Sicht sehr verwundern. Ein vergleichbarer Fall in dieser Größenordnung ist mir nicht bekannt.
    Manfred Stölzl, München

  • "Die vorläufige Insolvenzverwaltung wurde über Anton Schlecker, Inhaber der Anton Schlecker e.K. angeordnet." Da wirft sich bei mir die Frage auf: Wieviel von seinem Vermögen hat Anton Schlecker bereits an seine Kinder vererbt, und ist somit außerhalb der Insolvenzmasse?

    Anton Schlecker ist doch mit allen Wassern gewaschen. Der wird sich nicht das letzte Hemd pfänden lassen.

  • @Joerg_Meyer Herzlichen Dank für den Hinweis, die Schreibweise ist korrigiert. Redaktion Handelsblatt Online

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