Arrigo Beltrami
Viele, viele bunte Bilder

Arrigo Beltrami entscheidet, welches Bild sich Fans von den WM-Stars machen: Er ist der Kreative beim Sammelbild-Hersteller Panini.

MODENA/DÜSSELDORF Die Fußballweltmeisterschaft hat für Nils Behrendt eine überraschende Wende genommen: Den Düsseldorfer Architekten hat das Fieber gepackt. Seinen Sohn Nick, fünf Jahre alt, ebenfalls. Seinen Schwiegervater auch, der war sogar der Erste.

Nein, es geht nicht um Eintrittskarten, Klinsis Truppe oder Public Viewing. Das Trio vom Rhein tauscht Hochglanz-Fotos der WM-Spieler und pappt sie in ein alles andere als hochwertiges Album. Was für Nick eine Premiere ist, spukte seinem Vater und seinem Opa noch aus Kindheitstagen im Kopf herum: das Sammeln von Panini-Bildern.

Merkwürdig? Nicht für Tausende erwachsener Deutscher, die in diesen Tagen erst schamhaft, dann immer offener die Tütchen mit Kicker-Porträts im Zeitschriftenladen erstehen, nicht ruhen, bis alle Motive eingeklebt sind, ja sogar im Büro mit Kollegen tauschen. „Irgendwann erwacht das Kind im Manne“, sagt Nils Behrendt lachend. Panini ist zum Synonym für Sammelbilder geworden, so wie Tempos für Papiertaschentücher stehen. Panini SpA aber, das Unternehmen, das sein Geld mit den Bildern von Menschen macht, ist selbst extrem fotoscheu. Vorstandschef Aldo Sallistro mag sich weder ablichten noch sprechen lassen. Er steuert die Finanzen und kümmert sich um die Beziehungen zu den Aktionären.

Bleibt Arrigo Beltrami. „Ich bin der letzte Dinosaurier“, sagt der Generaldirektor. Beltrami, 67, ist der Dienstälteste im Hause Panini. 1969, acht Jahre nach der Gründung, ist der Wirtschaftsjournalist zum Unternehmen im emilianischen Modena gekommen. Einer der Gründerbrüder, Giuseppe Panini, hat ihn persönlich an Bord geholt. Und Beltrami entschied sich nach einigem Zögern zur Rückkehr in die Heimat aus der Großstadt Mailand. Beltrami regelt das Kreative, entscheidet, welche Kollektionen und Zeitschriften wann und wo auf den Markt kommen: „Findet Nemo“-Sammelheftchen für Deutschland, Superhelden-Comics für Italien, Cricket-Klebebilder für den indischen Markt.

Viel hat er erlebt seit seinem Start bei Panini vor 37 Jahren. Mehrfach hat das Unternehmen den Besitzer gewechselt. 1988 verkaufen die vier Gründerbrüder Giuseppe, Benito, Franco Cosimo und Umberto Panini an die britische Maxwell. Nach vier schwierigen Jahren übernehmen die italienischen Investoren Bain Gallo Cuneo und De Agostini das Unternehmen, um es zwei Jahre später und besser aufgestellt an die amerikanische Marvel Entertainment Group abzugeben, die börsennotierte Muttergesellschaft von Superhelden-Comics wie „Spiderman“. Erst 1999 kehrt Panini in italienischen Besitz zurück: Eine Gruppe von Investoren, angeführt von Vittorio Merloni vom Haushaltsgeräte-Hersteller Indesit, übernimmt die Führung.

Produziert wurde die ganze Zeit vor allem in Modena. 32,5 Millionen Abziehbilder werden in bis zu 6,5 Millionen Tüten täglich abgepackt. Hinter der grauen Fertigbau-Fassade des Firmensitzes rollen meterbreite Streifen mit den Gesichtern von Ballack, Beckham und Ronaldinho vom Band. Mit einem Stroboskop prüft ein Mitarbeiter die Farbqualität der schnell vorbeiratternden Fotos.

So wie die Liebe deutscher Erwachsener zu Panini-Bildern wie aus einer anderen Zeit scheint, so wirkt auch die Produktion wie ein Relikt aus vergangenen Tagen. An den Wänden hängen Fix & Foxi-Poster neben Harry Potter und dem Logo der Fußball-WM 2006. Auf den Fluren liegen auf tiefen Tischen riesige Bögen mit 100 Bildern für das „Superalbum“ der Fußball-Geschichte.

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