Arthur Nadel
FBI jagt Hedge-Fonds-Manager

Es war ein warmer Mittwoch in Florida, als Arthur G. Nadel verschwand. Seiner Familie hinterließ der 76-Jährige in seinem Haus in einem Vorort der Kleinstadt Sarasota einen Abschiedsbrief. Dann fuhr er mit seinem hellgrünen Subaru zum Flughafen – und war seither nicht mehr gesehen. Seit einer Wochen jagen nun das FBI und die Wertpapieraufsicht SEC den Hedge-Fonds-Manager quer durch die USA.

NEW YORK. In Alabama soll er gewesen sein, ebenso in New Orleans - doch bislang ist dem Hedge-Fonds-Manager, der mit seinen grauen Haaren und einer Allerweltsbrille wie der nette Opa von nebenan wirkt, immer wieder die Flucht gelungen. Und zur Flucht hat er allen Grund: Just am Tag nach seinem Verschwinden sollten die sechs von ihm gemanagten Hedge- Fonds rund 50 Mio. US-Dollar an Investoren auszahlen. Doch soviel Geld besaßen sie gar nicht.

Nach dem 50 Mrd. Dollar schweren Betrugsfall des Bernard Madoff nun der flüchtige Arthur Nadel. Weil immer mehr Anleger in der Krise Teile ihres Geldes abziehen, kommt die Wahrheit bei so manchem Fonds ans Licht. Mehr als ein halbes Dutzend Schneeballsysteme haben die US-Behörden in den ersten Wochen dieses Jahres bereits gemeldet.

Jeder neue Skandal schürt die tiefe Verunsicherung der Anleger. Erst recht, wenn sich die Verantwortlichen einfach aus dem Staub machen. Vor anderthalb Wochen flog der Fall des 38-jährigen Anlageberater Marcus Schrenker aus Indiana auf. Er hatte versucht, mit einem Flugzeugabsturz seinen Tod vorzutäuschen, um seinen finanziellen Verpflichtungen zu entgehen, wurde dann aber auf einem Campingplatz entdeckt. Jetzt irrt Nadel durch die Staaten.

Rund 600 Investoren, die ihre Geld in Nadels Firmen angelegt haben sollen, beschied Nadels Partner Neil Moody just nach Nadels Verschwinden: "Leider ist uns erst gestern die außergewöhnlich problematische Situation aufgefallen, die nahe legt, dass die Fonds praktisch keinen Wert mehr haben könnten." Moody will ebenso wenig wie Nadels Frau Peg etwas von dem Schwindel gewusst haben. Dass seine Firma alle gewünschten Auszahlungen im Dezember auf den 15. Januar verschoben hat, beunruhigte sie nicht.

342 Mio. US-Dollar verwalteten Nadels Hedge-Fonds mit so klangvollen Namen wie Victory, Viking und Valhalla - angeblich. In Wahrheit sind weniger als 16 Mio. Dollar an Wertpapieren und Bargeld vorhanden, so die SEC, die nun Klage gegen Nadel und seine Firmen wegen Betrugs eingereicht hat. "Zumindest über das vergangene Jahr haben die Angeklagten den Wert der Hedge-Fonds erheblich falsch dargestellt", heißt es in der Klageschrift. Auch die Rendite-Erfolgsmeldungen seien reine Fantasiezahlen. 1,2 Mio. Dollar aus dem Fondsvermögen hat Nadel zudem kurz vor seiner Flucht abgezweigt.

Mit einemHandelsclub für private Anleger hatte alles begonnen. Nach dem Platzen der IT-Blase sattelten Nadel und seine Frau Peg um und spezialisierten sich auf HedgeFonds und Immobilien. Jetzt sind auch die Bürger des Städtchens Sarasota geschockt. Der ehemalige Jazzpianist Nadel und seine Frau gehörten dort zu den angesehensten Bürgern, waren wichtige soziale und kulturelle Sponsoren. Die ersten Jazz-Konzerte sind bereits abgesagt. Viele der Spenden flossen mit der Auflage, sie in den Nadel-Fonds anzulegen. So zumindest erklärt die örtliche YMCA-Organisation, dass sie durch den Schwindel eine gute Million verloren hat.

Und wie im Fall Madoff ist die Aufsicht erst da, wenn es zu spät ist. Das System der Finanzaufsicht habe versagt, sagt Barbara Roper, die bei der Konsumentenvereinigung von Amerika für Investorenschutz zuständig ist, dem Handelsblatt. "Wir müssen jetzt aufdecken, was alles falsch lief - warum unser System die Investoren nicht vor solchen Betrügereien geschützt hat."

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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