Ashton Kutcher
Schwiegermamas Liebling

Bei Ashton Kutcher werden selbst Bulldoggen zahm. Der Schauspieler erobert mit seinem Charme die Geschäftswelt.
  • 0

SAN FRANCISCO. Der strömende Regen von Miami verwandelt harte Enttäuschung in feucht triefende Lethargie. Zehntausende Fans des Football-Teams der Chicago Bears ertragen schweigend den Untergang ihrer Helden im Finale um den Super-Bowl. Früh in der zweiten Halbzeit ist die Sache durch, Indianapolis wird siegen. 700 Dollar pro Ticket für eine bittere Enttäuschung: Was gibt es noch zu sagen, gar zu rufen oder singen?

Auf der riesigen Leinwand des Stadions erscheint Ashton Kutcher. Mit Bears-Trikot und Bears-Kappe. Er springt von seinem Sitz in der Vip-Loge auf. Auch ohne Mikrofon ist an seinen Lippen zu erkennen, was er ruft: "Let's go Bears!" Mit einem Mal ist alles anders, erscheint der Bären-Anhang wie gedopt: "Leeeeet's goooo beeeeaaars!" schallt es durch die feuchte Luft Floridas.

Geholfen hat es nichts, damals im Februar 2007. Die Bears verloren den Super-Bowl. Doch die Szene verrät sehr viel über Ashton Kutcher. Er ist der Typ, der eine müde Partygesellschaft um fünf Uhr morgens wieder in Schwung bringt. Er ist einer, der ein halbes Stadion voll Enttäuschter mitreißen kann, obwohl alle wissen, dass sie nichts an der Niederlage ändern können. Weil Kutcher einerseits die personifizierte Coolness ist - und andererseits der nette Kumpel von nebenan, dem niemand böse sein kann, weil er selbst alle nett behandelt.

Auch die deutsche Klatschpresse mag Kutcher - weniger als Schauspieler denn als Ehemann der 15 Jahre älteren Demi Moore. Weniger bekannt ist seine andere Seite: "Er ist einer der meistbeschäftigten TV-Produzenten Hollywoods", rühmt ihn die "New York Times".

Katalyst Media heißt die Firma, die Kutcher mit seinem Partner Jason Goldberg im Jahr 2000 gründete. Mit der Versteckte-Kamera-Show "Punk?d" landeten die beiden einen Hit auf MTV, es folgte eine Reality-Show, bei der sie Traumfrauen mit Alptraummännern kombinierten: "Beauty and the Geek" hieß das Ganze, die deutschen Rechte kaufte Pro Sieben und machte daraus "Das Model und der Freak".

Acht Jahre nach der Gründung ist Katalyst mit vier der fünf großen US-Sendernetze im Geschäft, Kinofilme sind in der Planung. Und nun das Internet: Auf einer Web-Konferenz in San Francisco startete Katalyst jüngst die "Blah-Girls": Drei Zeichentrick-Teenager machen sich online über Prominente lustig - aktuell, derb, politisch äußerst unkorrekt. Finanzieren soll sich das Portal über Werbung und Product-Placement. "Eine gute Idee", lobt der Großinvestor Ron Conway, Youtube-Mitgründer Chad Hurley ist optimistisch: "Blah-Girls könnte im Werbemarkt funktionieren."

Selbst wenn die Blah-Girls floppen sollten: "Katalyst wächst und wächst und wächst", sagt Kutcher, mag aber keine Umsatzzahlen nennen. Das Internet soll diese Entwicklung befeuern: In sechs Monaten will Katalyst ein Online-Manager-Spiel für Football-Fans starten - ein Markt, der in den USA drei bis vier Milliarden Dollar groß ist. Geplant ist auch ein Portal, das die abgesetzte Serie "Punk?d" wiederbelebt.

Eine Handvoll Ideen seien in der Umsetzung, sagt Kutcher ganz ernst, mit festem Blick. Das weiße Hemd sieht aus wie frisch aus dem Schrank genommen; die schmale, schwarze Krawatte ist leicht geöffnet - sie ist Teil einer Welt, zu der ihr Träger nicht gehören möchte, mit der er aber Geschäfte macht. Und, natürlich, trägt er eine weiße Chicago-BearsKappe tief in die Stirn gezogen.

Solch eine Ernsthaftigkeit hält Kutcher ungefähr fünf Minuten durch - dann grinst er wieder sein unverschämtes Jungen-Grinsen und meint zum Unterschied zwischen Hollywood und dem Silicon Valley: "In der Web-Szene gibt?s kein Skifahren und keinen Strand. Ski und Strand - da werden in Hollywood Geschäfte gemacht."

Der Mann sieht gut aus. So gut, dass andere Männer neidisch werden. Allerdings begann damit ja auch alles, mit seinem Aussehen. 1997 studiert er an der Universität Iowa. Ein Model-Scout überredet ihn, an einem Schönheitswettbewerb teilzunehmen. Er wird Zweiter, bekommt aber einen Vertrag bei einer großen Modelagentur. Bald taucht er in Calvin-Klein-Anzeigen auf, dann ergattert er 1998 bereits beim ersten Versuch eine Fernseh-Rolle: Kutcher wird Star der Comedy-Serie "Die wilden 70er".

Niemand hätte sich gewundert, wäre er daraufhin abgehoben. Doch der 30-Jährige wird durch seine Vergangenheit geerdet. Er wächst auf im 100-Einwohner-Örtchen Homestead, Bundesstaat Iowa. Immer spielt er die zweite Geige in der Familie, seine Eltern sorgen sich um seinen Zwillingsbruder Michael, der schon mit 13 Jahren eine Herztransplantation braucht. An dem Stress zerbricht die Familie Stück für Stück, bis Kutchers Eltern sich schließlich scheiden lassen.

Nach der Schule studiert er Biochemie - um ein Mittel gegen die Krankheit seines Bruders zu finden. Damit ist es vorbei, als sein Aufstieg im Show-Geschäft beginnt. 1999 dreht er seinen ersten Film, ein Jahr später folgt die erste Hauptrolle, dann "Punk?d". Was aber ist mit dem oft beschworenen Streit zwischen den Filmproduzenten und der Technologie-Szene, die scheinbar die Mittel schafft, damit all die Raubkopien entstehen? Kutcher sieht hier keinen Konflikt: "Am Ende geht es einfach darum, Inhalte auf unterschiedlichen Plattformen zu monetarisieren. Und wir müssen herausfinden, wie wir alle am besten zusammenarbeiten, um das zu schaffen."

Und dafür holt er sich Anregungen aus der Internetszene. Dafür tut er manches: Auf dem Branchentreff in San Francisco führt er die beiden Hunde von Konferenz-Mitorganisator Jason Calacanis aus. Sie gehen brav bei Fuß: Wenn Ashton Kutcher ruft, dann werden eben sogar britische Bulldoggen ganz freundlich.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter

Kommentare zu " Ashton Kutcher: Schwiegermamas Liebling"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%