Asien-Manager Thewes wird Logistik-Chef
Personal-Umbau bei der Bahn wird konkret

Die Bahn baut um: Laut einem Bericht wird Asien-Pazifik-Chef Jochen Thewes neuer Leiter der Logistik-Sparte beim Staatskonzern. Im Zuge des Konzernumbaus werden noch weitere Personalentscheidungen erwartet.
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BerlinDie weltweite Logistik-Sparte der Deutschen Bahn bekommt eine neue Spitze aus den eigenen Reihen: „Jochen Thewes wird ab September neuer Chef des größten Konzernteils“, sagte ein mit der Personalie Vertrauter am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. An anderer Stelle in der Bahn wurde die Beförderung des Asien-Pazifik-Chefs bestätigt.

Thewes ersetzt Thomas Lieb, der im März seinen Posten auch nach Korruptionsermittlungen räumen musste. Seit Juli 2011 hat Thewes das Asien-Pazifik-Geschäft von Schenker Logistics geführt. Die Sparte des Staatskonzerns gehört in See- und Luftfracht und auch im Landverkehr zu den weltweit drei Größten der Branche. Davor war Thewes beim Konkurrenten Kühne und Nagel unter Vertrag.

Eine Bahn-Sprecherin sagte, die endgültige Entscheidung über die Nachfolge von Lieb sei noch nicht getroffen. In Bahnkreisen hieß es, der Aufsichtsrat müsse dafür formal zustimmen. Ein Ja gelte als sicher.

Thewes wird damit einem Unternehmensteil mit rund 67.000 der 300.000 Bahn-Mitarbeiter vorstehen. Die Logistik erzielt mit zuletzt etwa 15 Milliarden Euro etwa 40 Prozent des Konzernumsatzes. Präsent ist sie global an 1500 Standorten in etwa 130 Staaten.

Allerdings steht sie wie der Konzern insgesamt in der Kritik, da in den vergangenen Jahren stets die Gewinnziele verfehlt wurden. Intern wurde für Schenker-Logistics eine Umsatzrendite von vier Prozent ausgegeben, die nie geschafft wurde. Manager von Schenker-Logistics, die nicht genannt werden wollen, geben einen Teil der Verantwortung dafür der Bahn selbst. Der Staatskonzern mit seinen bürokratischen Vorgaben enge den Spielraum der einst selbstständigen und börsennotierten Sparte ein.

Die Personalie Thewes könnte der Auftakt eines größeren, vor allem personellen Umbaus sein, den Bahnchef Rüdiger Grube angekündigt hat. Der Chef der Güterbahn, Alexander Hedderich, gilt seit längerem als Kandidat für eine Ablösung. Seine Sparte hat die Gewinnziele internen Unterlagen zufolge in den vergangenen fünf Jahren um 46 bis fast 90 Prozent verfehlt. Hedderich hat Rückhalt beim Eigentümer Bund wie auch bei der Arbeitnehmerseiten verloren.

Karl-Friedrich Rausch, Vorstand für den Güterverkehr aus Logistik und Güterbahn zusammen, wird Unternehmenskreisen zufolge im Laufe des Jahres ausscheiden. Ob der Posten wieder besetzt wird, gilt als unsicher: Im Gespräch sei eine radikale Verkleinerung des Konzernvorstands, der auch der Chef des Personenverkehrs, Ulrich Homburg, zum Opfer fallen könne.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Ausführungen von Herrn Feuerstein kann ich nachvollziehen. Schenker benötigt in jedem Fall einen echten Neuanfang, um wieder Fahrt aufzunehmen. Dazu gehörte eine glaubwürdige Führung, die realistische Ziele setzt und erreicht und die ethisch einwandfrei agiert, durch gutes Vorbild führt und die die Mannschaft wieder motivieren kann. Eine Kultur der Veränderung und ständigen Verbesserung ist absolut wünschenswert. Ein Umbruch hin zu einer positiv vorgelebten Veränderungs- und Performance-Kultur würde dieser Firma mit großem Potential gut tun. Auch wenn ich ebenfalls nicht erkennen kann, daß die Bahn Schuld an Schenkers Lage sein soll, kann die Bahn dabei unterstützen oder einbremsen. Eine Verkürzung der Führungsstrukturen halte ich für einen richtigen Schritt. Ferner sollte die Bahn dann aber auch Führungspersonal rekrutieren, daß Führung glaubhaft verkörpert. Ich habe meine Zweifel, ob die Bahn in Ihren Auswahlprozessen die passenden Kriterien anwendet. In jedem Fall wünsche ich Herrn Thewes viel Glück und den Mut zu deutlichen Veränderungen und eine gute Hand mit den richtigen Signalen an Mitarbeiter und Kunden. Ich kann nur hoffen, daß sich Herr Feuerstein in diesem Fall irrt.

  • Dass das chronische Verfehlen von Gewinnzielen bei Schenker nur an der Bahn liegt, ist vor dem Hintergrund der hausgemachten Probleme schwer nachvollziehbar, wird aber in den Schenker eigenen Reihen oft als Ursache für die Probleme genannt.

    Bei Schenker ist es aber hauptsächlich das konsequente, über Jahre Verhindern von Veränderungen, das Handeln ohne Konsequenz, Planlosigkeit und das Fehlen einer nachhaltigen und klaren Strategie.

    So ist zu befürchten, dass die Nominierung von Herrn Thewes in dieser Liste fataler Entscheidung nur eine Zwischenetappe ist.
    Hat der ex KN Mann doch keine Erfolge zu verzeichnen. Er hinterlasst eine desaströse Asien Organisation, in der die wichtigsten Länder entweder ohne Führung oder mit völlig überforderten Managern zurückgelassen werden, die dem Wandel von familiär-intuitiv geführten Überseedependancen zu einem modernen, global vernetztem Logistikkonzern nicht können.
    Thewes‘ Kurzeinsatz als Seefrachtchef in Essen davor war nur durch den erfolglosen Versuch gekennzeichnet, effiziente Strukturen aus dem Haus Kühne & Nagel auf Schenker zu adaptieren, was nicht gelang.
    Nun kehrt er zurück nach Essen und trifft auf eine Führungsmannschaft, die ebenfalls keine Erfolge in den vergangen Jahren vermelden konnte. Da ist der glücklose Ex-Amerikachef Murrmann (durch seinen Freund von früher Dr. Lieb nach Essen weggelobt), der über Jahre die USA Organisation in rote Zahlen wirtschaftete und nun die Sparte Luft- und Seefracht verantwortet. Peter Schumann, der seit über 10 Jahren damit beschäftigt ist, eine wettbewerbsfähige IT Organisation aufzubauen. Jeffrey Barrie, für den Vertrieb verantwortlich, mit einer kaum wahrnehmbaren Außenwirkung, dafür ein starker Netzwerker, was das Positionieren Getreuer angeht. Nur um einige zu nennen, mit denen ein Neuanfang unmöglich ist.
    Ein grundlegender Strukturwandel, den eine Fa. Schenker benötigt, um aus dem Dunstkreis von Korruption und Vetternwirtschaft zu gelangen, scheint so schwer zu erreichen.

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