Aston-Martin-Chef Ulrich Betz
Bez ist Künstler der schnellen Tempi

Ulrich Bez bremst nicht: Der deutsche Chef von Aston Martin liebt die Geschwindigkeit – beim Sport und im Business. Der legendären Automarke hilft beides.

Ockerfarben glänzt die Altstadt von Gordes auf ihrem Hügel in der Morgensonne, sanft hebt sich der Nebel aus dem Tal. Es ist feucht und kühl, doch man kann den warmen Frühlingstag in der französischen Vaucluse schon ahnen. Ulrich Bez schnürt seine Inline-Skates und zieht die Handschoner fest. Locker und routiniert gibt der drahtige Chef des britischen Sportwagenherstellers Aston Martin Schwung. In der Parkbucht schimmert sein olivgrüner V8 Vantage Roadster, das Dach noch geschlossen.

Das neue Modell der englischen Sportwagenfirma ist der Grund, warum Bez im malerischen Süden Frankreichs ist. Er führt den Roadster hier auf den leeren, kurvenreichen Straßen Kunden, Händlern und Journalisten vor. Der lokale Polizeichef durfte vorab eine Runde mit dem Wagen drehen, ist also professionell milde gestimmt worden und wird daher ein Auge zudrücken.

Doch bevor der selbst gewollte Rummel losgeht, braucht Bez Bewegung und ein bisschen Zeit für sich. Darum die Inliner. Bez ist ein Mann der Geschwindigkeit. Hört sich nach einer Binse an, wenn ein Luxusauto-Chef so beschrieben wird. Schließlich soll er leben, was seine Autos fahren. Bei Bez aber ist es nicht Marketing, nicht notwendiger Teil einer vom Medienberater zusammengeschriebenen korrekten Vita. Der Mann ist so. Er macht gern Tempo, und dazu gehört nach seiner Meinung auch eine große und mannigfaltig organisierte Geschwindigkeit außerhalb des Büros.

Jetzt also eine Runde mit den Inlinern in Südfrankreichs Sonne. Eine grelle Sportkluft tut er sich auch dafür nicht an. Die lässige Lederjacke über dem T-Shirt ist ihm lieber. Der 63-Jährige, der sein Alter grinsend mit „48 plus“ angibt, gibt sonst gern das Understatement. Die Inliner packt er meistens am Wochenende daheim in Düsseldorf aus. Dort ist er mit seiner Frau und den beiden Töchtern im Teenager-Alter heimisch geworden. In der Woche lebt er bei und für Aston Martin in England.

Vom liebenswerten Wohnort Kaiserswerth am Rheinufer entlang in die Düsseldorfer Altstadt – das ist seine Tour am Wochenende. Als Belohnung gibt es an der Uferpromenade ein Alt, dann geht’s flott wieder zurück. Die Töchter fahren nebenher, doch mit dem Fahrrad. Bez muss immerzu Gas geben, und da kommen die beiden Damen nicht mit. Vor neun Jahren hat der Automanager das Inline-Skaten entdeckt. „Das Schöne daran ist, dass man immer den ganzen Körper bewegt“, sagt er.

Wer gerne auf der Überholspur entspannt, hat für die ruhigeren Zeitgenossen und deren Lieblingszeitvertreibe wenig Verständnis. Gemächlich Golf spielen zum Beispiel, um gesehen zu werden und geschäftliche Kontakte zu pflegen – das ist nicht sein Ding. Da kommen Ulrich Bez ganz andere Dinge in den Sinn. Und die macht er dann auch! 1992 ist er zum Basislager des Nanga Parbat hochgestiegen – mit dem Fahrrad auf dem Rücken! – und dann von oben heruntergesaust. Weil das passende Gerät für einen solchen Teufelsritt nicht im Fahrradladen an der Ecke zu haben ist, hat er sich’s eben mal selbst gebaut. Ein Edel-Mountainbike, acht Kilo leicht, aus Carbon und Titan. Die Teile dafür hat er bei Herstellern in der ganzen Welt fertigen lassen, damit sich’s lohnt, gleich für 50 Stück. Für 13 000 DM hat er die Räder damals an Freunde verkauft – „Gewinn hab ich damit keinen gemacht“, gibt er zu. Gehalten hat das Rad jedenfalls lange. Noch heute treibt er es bergauf, bergab über die Waldwege des Siegerlands oder durch die Pfalz.

Der Mann ist erdverbunden, andere würden die Nanga-Parbat-Tour ordentlich vermarkten und statt der Pfalz publicitywirksam auf den Kehren der Tour de France oder sonstiger großer Rundfahrt-Strecken sich abstrampeln.

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