Atticus-Chef Timothy Barakett
Abgang eines Plünderers

Die Finanzkrise frisst die Stars des vorangegangenen Booms. Nach massiven Verlusten seines Hedge-Fonds gibt Timothy Barakett, einer der weltweit gefürchtetsten Plünderer von Firmen auf.

NEW YORK. Die Finanzkrise frisst die Stars des vorangegangenen Booms. Nach massiven Verlusten seines Hedge-Fonds gibt Timothy Barakett, einer der weltweit gefürchtetsten Plünderer von Firmen auf. „Ich will mich mehr um meine Familie kümmern, philantropischen Interessen nachgehen und mein Geld und das meiner Wohltätigkeitsorganisation verwalten“, schrieb der 44-jährige Gründer des einst größten aktivistischen Hedge-Fonds Atticus an seine Investoren. Gut 25 Prozent hatte sein größter Fonds, der nun aufgelöst wird, im Krisenjahr 2008 verloren. Auch wenn Atticus als Firma weiter bestehen bleibt, dürften weltweit die Manager aufatmen; vielen von ihnen saß Barakett über Jahre im Nacken und hat für sich und seine Kunden ein Milliardenvermögen verdient.

„Raider“, zu deutsch Plünderer, heißen im Wall-Street-Jargon Investoren, die über Firmen herfallen und sie dazu zwingen, sich hoffnungslos zu verschulden und ihre Barreserven an die Aktionäre auszuschütten. Bei zahllosen Firmen, darunter die Deutsche Börse, hatte Atticus das in der Vergangenheit durchexerziert. Als der Frankfurter Konzern 2004 versuchte, seinen Londoner Konkurrenten, die London Stock Exchange (LSE), gegen den Willen der City zu übernehmen, sahen Barakett und sein Partner David Slager ihre Chance: Sie kauften sich in das damals an der Börse unterbewertete Unternehmen ein und zwangen es, seine Übernahmepläne aufzugeben; gleichzeitig musste jeder Euro, der operativ nicht benötigt wurde, an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Der Aktienkurs der Deutschen Börsen vervielfachte sich daraufhin – Atticus und sein Londoner Mitstreiter TCI machten fette Beute.

Doch dann schlug die Finanzkrise zu, und der Aktienkurs des Frankfurter Börsenbetreibers brach ein. Die Fonds verkauften ihre Aktienpakete erst viel zu spät – mit deutlichem Verlust. Aber damit nicht genug: auch andere Vermögenspositionen von Atticus verloren rasant an Wert. Seit längerem halten sich Gerüchte, dass es deswegen zu Streit zwischen den Atticus-Partnern gekommen sei. Ein Fonds der Bankendynastie Rothschild, deren Spross Nathaniel ein Partner Baraketts ist, zog sein Geld ab. Ein Atticus-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Anders als die breite Öffentlichkeit sieht Barakett sich selbst nicht als Plünderer, sondern als Kämpfer für mehr Gerechtigkeit. Nicht umsonst hat der Harvard-Absolvent seine 1995 gegründete Firma nach der Romanfigur Atticus Finch aus Harper Lees Südstaatendrama „Wer die Nachtigal stört“ benannt. Finch ist ein Rechtsanwalt, der unerschrocken für die Rechte von Farbigen kämpft. Im realen Leben kämpfte Barakett nach seiner Lesart für mehr Gerechtigkeit gegenüber Aktionären. Zu Hochzeiten vertrauten ihm Investoren rund 20 Mrd. Dollar an. Sieben Mrd. Dollar verdiente er für sie; er selbst wird aus der Auflösung der beiden Fonds eine Mrd. Dollar an privatem Vermögen erhalten.

Mit diesem Geld kann sich der Vater zweier Kinder trotz des etwas unrühmlichen Abgangs in Ruhe seinen Hobbys widmen. So sponsert er Museen in der Nobelwohngegend der Hamptons und tritt als Wohltäter der öffentlichen Bibliothek von New York auf. Ganz wird er sich jedoch nicht aus dem Spiel von Geld und „Gerechtigkeit“ zurückziehen, schließlich bleibt er Vorstandschef von Atticus.

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