AUA-Chef Vagn Soerensen gilt als Lufthansa-Kandidat
Hochfliegende Pläne in Osteuropa

Selbst in Österreich, wo die Weinbauern ihren Grünen Veltliner in Spitzenqualität, aber meist in kleinen Mengen produzieren, ist der Mann ein Kleinstbauer: Gerade 400 Stöcke nennt er sein Eigen, die Produktionskosten liegen pro Flasche bei 20 Euro, die Erträge sind höchst ungewiss. „Es wird wahrscheinlich einer der teuersten Weine, die in Österreich je produziert wurden“, feixt der Winzer.



HB WIEN. Vagn Soerensen, 45, Inhaber dieses ökonomisch eher fragwürdigen Betriebs unweit der Hauptstadt Wien, braucht sich um Gewinn und Verlust seiner Rebstöcke allerdings auch nicht ernsthaft zu kümmern. Hauptberuflich leitet der geborene Däne seit Oktober 2001 die Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA), und das mit mittlerweile nachhaltigem Erfolg: Schon ranken sich Gerüchte um einen Aufstieg zum deutschen Star-Alliance-Partner Lufthansa. Soerensen werde dort demnächst in den Vorstand einziehen, berichtete kürzlich der „Spiegel“. „Es gibt keine Verhandlungen in diese Richtung“, wiegelt Soerensen gelassen ab. Aber immerhin wechselte der Däne schon auf Empfehlung des damaligen Lufthansa- Chefs Jürgen Weber von der schwedischen Fluglinie SAS nach Wien.

Er übernahm die Gesellschaft in einer schwierigen Phase: Die Terroranschläge des 11. September 2001 hatten die Branche schwer getroffen. Das Unternehmen war hoch verschuldet, zu viele Strecken waren unprofitabel, und auch die Übernahme der Lauda Air des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters Niki Lauda war noch nicht verdaut. Heute schreibt die Fluglinie wieder Gewinn, 46 Mill. Euro im vergangenen Jahr bei gut 2 Mrd. Euro Umsatz. Der Aktienkurs hat sich seit Soerensens Amtsantritt verdreifacht.

„Österreich kann sich glücklich schätzen, so einen profilierten Manager wie Sorensen bekommen zu haben“, schwärmt Walter Rothensteiner, Chef der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG. Die Piloten der AUA waren allerdings zunächst wenig begeistert: In harten Verhandlungen und trotz eines mehrtägigen Streiks rang Soerensen ihnen einen für den Konzern günstigeren Tarifvertrag ab. Er punktete dabei auch dadurch, dass er seine eigene Gage für ein Jahr um zehn Prozent kürzte. In einer schwierigen Situation habe Soerensen rechtzeitig die Notbremse gezogen, sagt Willibald Steinkellner, der Vorsitzende der Gewerkschaft für Handel, Transport und Verkehr.

Aktuell nutzt der Däne mit der Vorliebe für dunkelblaue Anzüge und etwas zu locker gebundene Krawatten die EU-Erweiterung zu einer neuen Offensive. Zum 1. Mai hat die Austrian Airlines ihr ohnehin dichtes Streckennetz zwischen Riga und Odessa noch einmal enger geknüpft. Vom slowakischen Bratislava aus zum Beispiel fliegt die AUA zu Kampfpreisen nach London, Paris oder Brüssel: hin und zurück ab 61 Euro. Soerensen bietet damit Tarife fast auf Billigfliegerniveau an. „Langfristig werden die Netzwerkcarrier und die Low-Cost-Carrier nicht mehr voneinander zu unterscheiden sein“, erläutert er.

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