Auch andere Schulen führen schon Gespräche über Allianzen
Global wird auch bei den Business Schools Mode

Zwei der besten Business Schools der Welt schließen eine transkontinentale Allianz. Der Druck auf die Konkurrenten wächst.

Es ist eine kleine Revolution in der Business-School-Welt: Die Wharton School in Philadelphia, die derzeit als die beste Business School der Welt gilt, und Insead (Fontainebleau), eine der drei führenden europäischen Schulen, gehen eine sehr weitreichende Allianz ein. In Zukunft werden Wharton und Insead an vier Orten (Fontainebleau, Singapur, Philadelphia und San Francisco) gemeinsam Programme für gut zahlende Manager anbieten.

Solche "globalen" Programme sind derzeit in Mode - wobei dahin gestellt bleiben mag, ob sie einer realen Marktnachfrage nach "globalen" Managern entsprechen oder mehr dem Marketing und der Imagepflege der Schulen dienen. So starten London School of Business und Colombia Business School (New York) im Mai ihren "Global Executive MBA". Teilnahmegebühr: 100 000 US-Dollar. Stern (New York), HEC (Paris) und die London School of Economics bieten ein ähnliches Programm an, das auch noch Aufenthalte in Lateinamerika und Asien einschließt. "Jet-Set-MBAs" scheinen gleichsam zum High-End-Produkt von Business Schools zu werden.

Doch die Allianz zwischen Wharton und Insead geht deutlich über gemeinsam organisierte Einzelprogramme hinaus und stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten. Verkürzt dargestellt, legen die beiden Top-Schulen ihren gesamten Executive-Education-Bereich und auch einen Teil ihrer Forschung zusammen.

Auch IMD führt Gespräche über eine Allianz

Welche Auswirkungen hat die Wharton-Insead-Allianz auf die europäischen Top-Schulen? Nachdem sich mit Insead und der London Business School nun zwei der drei führenden Schulen fest gebunden haben, sind alle Augen auf IMD gerichtet, zumal die relativ kleine Schule am Genfer See besonders stark im Bereich Executive education ist.

IMD-Präsident Peter Lorange erklärt gegenüber dem Handelsblatt überraschend: "Wir sind derzeit in Gesprächen mit einer führenden US-Schule über eine ähnliche Allianz." Gerüchten zufolge handelt es sich dabei um die Harvard Business School, was durchaus pikant wäre, da die Topschule kürzlich mit dem Erzrivalen Stanford Verhandlungen über gemeinsame Programme aufgenommen hat. In Boston war auf Anfrage keine Stellungnahme zu erhalten.

Noch einen Schritt zurück ist die Rotterdam School of Management (RSM), die als viertbeste europäische Business School gilt und punktuell mit einer ganzen Reihe von Schulen wie Babson College, Manchester, McCombs (Austin, Texas), Ivey oder Recanti (Tel Aviv) kooperiert. "Mit diesen Schulen und mit anderen Partnern diskutieren wir strukturelle Allianzen und eine integriertere Zusammenarbeit", berichtet RSM-Dean Kai Peters.

Wharton-Insead-Allianz zeigt auch in Amerika Wirkung

Natürlich versuchen die europäischen Schulen, die sich diesem wachsenden Druck ausgesetzt sehen, die Karte der europäischen Vielfalt zu spielen. Elio Borgonovi, Dean von Italiens bester Business School Bocconi (Mailand) erklärt: "Wenn globale Programme uniforme, standardisierte Programme bedeuten, die in einem großen Maßstab in so vielen Ländern wie möglich angeboten werden, dann macht das wenig Sinn. Management-Ausbildung muss die unterschiedlichen historischen und kulturellen Bedingungen miteinbeziehen."

Und Leslie Hannah, Chief Executive des Ashridge Management College, einem führenden europäischen Anbieter von Manager-Fortbildung, behauptet gar: "Wenn ein amerikanischer Kunde uns Wharton oder Insead vorzieht, dann deshalb, weil er eine europäische Erfahrung mit einem britischen Anstrich sucht und keine Schule, die von amerikanischen Lehrern dominiert wird."

Aber auch in Amerika zeigt die Wharton-Insead-Allianz Wirkung. Schulen der absoluten Spitzenklasse wie Sloan (MIT) oder Stanford können sich sicherlich eine gewisse Gelassenheit erlauben. "Wir suchen keinen Allianzpartner, nur um einen Allianzpartner zu haben", erklärt Sloan-Dean Richard Schmalensee. "Ich fühle da keinen Druck, vielleicht auch weil MIT schon ein ziemlich guter globaler Brand ist."

Die zweite Reihe gerät unter Druck

Ganz anders sieht es schon in der zweiten Reihe aus. Robert J. Swieringa, Dean der Johnson Graduate School of Management (Cornell) gibt eine unverblümte Antwort auf die Frage, ob seine Schule durch solche Allianzen unter Druck geraten ist: "Die einfache Antwort ist: Ja. Diese Allianzen generieren Publizität und Aufmerksamkeit, besonders wenn sie solche bekannten und sehr angesehenen Player umfassen."

Jay Stowsky, Associate Dean der Haas School (Berkeley), eine der drei führenden Business Schools an der US-Westküste, berichtet, dass auch Haas schon in Verhandlungen mit den Schulen stand, die jetzt Schlagzeilen machen. Ohne Ergebnis. "Wir schauen uns nun bestehende Programme an anderen Universitäten in den USA und Asien an, mit denen wir kooperieren könnten. Wir versuchen deren akademische Qualität zu bewerten, die Qualität ihrer Bewerber und auch die Studiengebühren, die sie verlangen, und die Einkünfte, die sie generieren."

Paul Danos hingegen, Dean der Tuck School of Business, der kleinsten der fünfzehn führenden US-Schulen, glaubt nicht daran, dass Größe allein ein Marktvorteil ist. "Ein oder zwei hochklassige Experten reichen aus für ein hochwertiges Programm. Das gilt für eine kleine Schule wie Tuck, die in den letzten Jahren keine Schwierigkeiten hatte, hochqualifizierte Dozenten zu rekrutieren, und es würde auch für eine sehr große Schule gelten."

Die "super-globale" Business-School

Zweifel bestehen auch daran, ob der Markt wirklich nach Programmstandorten auf allen Kontinenten schreit. "Wir glauben, dass es für ein Programm wichtig ist, globale Teilnehmer und globalen Inhalt zu haben. Aber wir glauben nicht, dass es für uns notwendig ist, unsere Programme an verschiedenen Orten abzuhalten", sagt Stanford Business School-Dean Robert L. Joss.

Gleichwohl werden in der Zukunft alle Augen auf die Fortentwicklung der Wharton-Insead-Allianz gerichtet sein. Die beiden Partner wollen ihre Ehe in zwei Jahren einem genauen Revisionsprozess unterziehen. Bei einem positiven Ergebnis ist auch schon die Zukunft angedacht: Dann könnten Wharton und Insead gemeinsam Niederlassungen in China und Lateinamerika gründen. Was dann wiederum eine neue Dimension darstellte: die "super-globale" Business School.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%