Auch Hans-Jürgen Schinzler geht
Generationswechsel bei den Finanzriesen

Der Generationswechsel in den Vorstandsetagen der deutschen Finanzkonzerne schreitet voran. Kurz vor dem Abtritt von Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle kündigte am Montag auch der Chef des weltgrößten Rückversicherers Münchener Rück, Hans-Jürgen Schinzler, seinen Ausstieg zum Jahresende an. Hypo-Vereinsbank und Deutsche Bank haben bereits neue Chefs.

HB/dpa MÜNCHEN. Damit hat die Riege der „Old Boys“ im deutschen Finanzgewerbe jüngeren Nachfolgern Platz gemacht. Ihnen steht ein Stück harter Arbeit bevor. Während die alte Garde in den vergangenen Jahren eine rasante Expansion betrieb, müssen die jüngeren Nachfolger nun als Konsolidierer auftreten.

Genau wie bei Allianz-Chef Schulte-Noelle kam auch die Ankündigung von Schinzlers Rücktritt überraschend. Unnötige Nachfolgespekulationen konnten die Konzerne dadurch vermeiden. Schinzler gilt in der ohnehin schon diskreten Finanzbranche als einer der zurückhaltendsten Manager. Öffentliche Auftritte sind dem 62-Jährigen eher unangenehm. Sein Nachfolger wird der 46-Jährige Nikolaus von Bomhard, der sich vor allem als Fachmann für das internationale Geschäft ausgezeichnet hat. Bei der Allianz übernimmt mit der Hauptversammlung an diesem Dienstag (29. April) der 48- jährige Michael Diekmann das Kommando. Der zeitliche Zusammenhang zwischen den beiden Personalien war nach Angaben der Münchener Rück aber Zufall.

Eine derart enge Bindung, wie Allianz und Münchener Rück sie in den vergangenen Jahrzehnten hatten, werden sie unter dem neuen Führungsduo nicht mehr haben. In den vergangenen Wochen hatten die Konzerne ihre historisch gewachsene Überkreuzbeteiligung bereits auf unter 20 % reduziert. Dadurch müssen sie die Ergebnisse des Partners künftig nicht mehr anteilig übernehmen und können sich unabhängiger voneinander um die eigenen Probleme kümmern.

Auch die Münchener Rück wurde im vergangenen Jahr von der Börsenkrise hart getroffen und konnte nur durch milliardenschwere Aktienverkäufe einen Verlust vermeiden. Dennoch wird Schinzler als der großen Unternehmenslenker in die Geschichte der Münchener Rück eingehen. Der Aufsichtsrat würdigte vor allem sein „Wirken bei der Umgestaltung der Münchener Rück in eine breit aufgestellte Finanzdienstleistungsgruppe“.

Dabei ging Schinzler einen anderen Weg als sein langjähriger Weggenosse Schulte-Noelle. Beide hatten ein gemeinsames Ziel: Bankschalter verstärkt als Vertriebskanal für den Verkauf von Versicherungspolicen zu nutzen. Schulte-Noelle entschied sich dabei für den Kauf einer Bank. Der Erwerb der Dresdner Bank erwies sich nach Einschätzung mancher Beobachter als milliardenschwere Fehlinvestition. Die Verluste der Dresdner belasteten das Ergebnis der Allianz in einer ohnehin schon schwierigen Zeit zusätzlich.

Schinzler ging vorsichtiger vor. Die Münchener Rück stockte ihre Beteiligung an der Hypo-Vereinsbank lediglich auf mehr als 25 % auf. So erwarb man die Kontrolle über die zweitgrößte deutsche Bank, ohne sich die Probleme der Bankenbranche komplett aufzuhalsen. Die Hypo-Vereinsbank verkauft seither nur noch Versicherungspolicen der Münchener Rück-Tochter Ergo. Allerdings wird die Münchener Rück nach Einschätzung von Experten auch die Hypo-Vereinsbank-Beteiligung auf weniger als 20 % reduzieren und sich damit weniger angreifbar für konjunkturelle Schwankungen machen.

Wie die meisten seiner Kollegen will Schinzler nun die Geschicke des weltgrößten Versicherers aus dem Aufsichtsrat mit lenken. Dazu will er auch den Vorsitz in dem Kontrollgremium übernehmen. Das strebt auch Allianz-Chef Schulte-Noelle an. Aktionärsschützer haben dafür nicht viel übrig. Wenn es nach ihnen ginge, sollten die alten Chefs auch dort Platz für Neue lassen.

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