Auch Wirbel im Aufsichtrat
Döpfner verlässt Telekom-Aufsichtsrat

Trotz steigenden Aktienkurses brodelt die Gerüchteküche um die Ablösung des Telekom-Chefs. Der Druck auf den Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke steigt. Und nicht nur für ihn. Auch im Aufsichtsrat stehen personelle Veränderungen an.

DÜSSELDORF. Aus dem Umfeld des Unternehmens ist zu hören, dass die Vertragsverlängerung von Ricke erneut auf dem Spiel steht. Damit flammt die Debatte um die Zukunft des Telekom-Chefs wieder auf. Sie hatte begonnen, als Ricke Anfang August miserable Halbjahreszahlen bekannt geben musste. Anfang September hat der Aufsichtsrat aber einen Sieben-Punkte-Plan abgesegnet, mit dem Ricke den Ex-Monopolisten aus der Krise führen will. Danach verstummten die Spekulationen um Rickes Zukunft zunächst.

Seit einigen Tagen aber, heißt es in Unternehmenskreisen, werde die Kritik wieder lauter. Grund sei die Unzufriedenheit einiger Aufsichtsratsmitglieder mit Rickes Plan. Er habe zwar richtige Punkte angesprochen, aber nichts wirklich Neues auf die Beine gestellt. Der Telekom fehle die Perspektive.

Das „Manager Magazin“ berichtet, der Telekom-Aktionär Blackstone fordere Rickes Ablösung. Auch andere Kontrolleure zweifelten an Rickes Eignung. Aufsichtsrat-Chef Klaus Zumwinkel halte sich personelle Alternativen offen. Die Telekom wehrte ab: „Es liegen uns keine Aussagen von Blackstone vor, dass Ricke abgelöst werden soll“, sagte ein Sprecher.

Nach Recherchen des Handelsblatts will die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat Ricke halten. Ricke hat in der Vergangenheit beim Personalabbau stets auf Konsens gesetzt und ist der Belegschaft mit großzügigen Abfindungsprogrammen entgegengekommen. Im Umkreis der Telekom heißt es ebenfalls, Blackstone übe unglaublichen Druck aus. Der Finanzinvestor selbst widersprach gestern der Behauptung, er fordere Rickes Ablösung. „Das ist absolut falsch“, hieß es aus dem Umfeld der Beteiligungsgesellschaft, die mit 4,5 Prozent an der Telekom beteiligt ist und einen Sitz im Aufsichtsrat hält.

„Rickes Plan wird umgesetzt und wir sehen bereits erste positive Effekte“, heißt es aus Blackstone-Kreisen mit Blick auf den Kurs der Telekom. Der hat sich seit der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen wieder um etwa 15 Prozent erholt.

Analysten machen dafür den positiven Ausgang der Mobilfunkauktion in den USA verantwortlich, wo die Telekom sich zahlreiche Lizenzen zu einem akzeptablen Preis sichern konnte. Als ein weiterer Grund gelten aber auch die neu aufkeimenden Gerüchte um Rickes Abgang. Allein gestern stieg der Telekom-Kurs zwischenzeitlich um über drei Prozent.

Für weitere Unruhe bei der Telekom sorgt ein Personalwechsel im Aufsichtsrat. In Branchenkreisen heißt es, Mathias Döpfner, Chef des Axel-Springer-Verlags, scheide in der zweiten Oktoberhälfte aus dem Kontrollgremium der Telekom aus. Döpfner war erst im Mai in das Amt gewählt worden. Weder der Axel-Springer-Konzern noch die Telekom wollten sich gestern dazu äußern. Offenbar sucht der Konzern aber bereits einen Nachfolger.

Der Springer-Chef hätte damit nur eine einzige Aufsichtsratsitzung mitgemacht – die, in der Ricke seinen Sieben-Punkte-Plan vorstellte. Wie man hört, hat Döpfner einen Interessenkonflikt befürchtet, weil er Ende Juli in den Aufsichtsrat des US- Medienhauses Time Warner berufen wurde. Bisher spielt Time Warner in Deutschland eher eine Nebenrolle. Er ist hier überwiegend im Filmrechtehandel, DVD-Geschäft und mit einem digitalen Bezahlsender präsent. Döpfners Schritt verwundert, da der größte Interessenkonflikt vor wenigen Tagen beseitigt wurde: Time Warner verkaufte das Internetzugangsgeschäft seiner deutschen Web-Tochter AOL an Hansenet - eine Tochter von Telecom Italia. Time Warner plant offenbar derzeit keine größeren Zukäufe in Deutschland. Unternehmenskreise berichten aber, der Konzern wolle hier noch 2006 zwei neue Bezahlsender starten.

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