Audi-Aufsichtsrat
Mit 34 Jahren an der Spitze

Mit 34 Jahren ist Peter Mosch der jüngste Aufsichtsrat eines deutschen Großkonzerns. Am Donnerstag entscheidet sich, ob er diesen Posten beibehält, denn dann werden bei Audi die Belegsschaftsvertreter neu gewählt. Er selbst gibt sich siegessicher.

FRANKFURT. Die Bezeichnung „Co-Manager“ mag er überhaupt nicht. Dabei könnten die Schlagworte des jungen Mannes mit dem bayerischen Akzent durchaus aus einem Management-Lehrbuch stammen. Der jüngste Aufsichtsrat eines deutschen Großkonzerns fordert Produktivitätsfortschritte, Transparenz, Flexibilität und Pragmatismus. Doch das rote Signet an seinem Revers verrät, für wen Peter Mosch mit seinen erst 34 Jahren im obersten VW-Kontrollgremium sitzt: für die IG Metall. Mosch ist in seiner Hauptfunktion Betriebsratsvorsitzender bei der erfolgreichen VW-Tochter Audi. Morgen entscheidet sich, ob das so bleibt.

Denn konzernweit werden die Belegschaftsvertreter zurzeit neu gewählt – erstmals nach der VW-Affäre. Sie hat Mosch zu Jahresbeginn an die Audi-Betriebsratsspitze gebracht, weil sein Vorgänger Xaver Meier im Zusammenhang mit den Enthüllungen über Spesenmissbrauch in Ruhestand gegangen ist. Dass er von der Belegschaft bestätigt wird, bezweifelt der selbstbewusste Mosch nicht: Fast 85 Prozent der Beschäftigten sind in der IGM.

Bei der VW-Affäre hält er sich nicht gerne auf, will lieber nach vorne schauen. Sie ist aber auch der Grund, warum Mosch im Gegensatz zum ebenfalls über die Unregelmäßigkeiten gestolperten VW-Ex-Konzernbetriebsratschef Klaus Volkert kein „Co-Manager“ sein will. Zu große Nähe zum Management ist gefährlich, glaubt er. „Ich weiß, wer mich wählt und wen ich vertrete“, sagt Mosch und zieht damit eine scharfe Trennlinie. Und sofort klingt der „bekennende Gewerkschafter“ durch. Die IGM-Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn hält er für angemessen, die Arbeitgeber täten sich schwer, dagegen zu argumentieren. Schließlich gehe es den Metallbetrieben, speziell in Bayern, gut. Die Stellenverlagerung werde dadurch nicht forciert, ist er überzeugt. Lohnzurückhaltung sei das falsche Mittel, um solche Trends aufzuhalten. Dass er noch im Herbst mit dem Vorstand neue Richtlinien erarbeitet hat, um die Personalkosten zu senken, sieht er nicht als Widerspruch. Der einstige Kritiker des heutigen IGM-Chefs Jürgen Peters weiß, dass er nach Meinung einiger Audi-Beschäftigter den Modernisierungsdrang des Vorstands zu forsch unterstützt.

Doch, „wer die Zukunft gestalten will, darf nicht ideologisch sein, er muss auf Innovation setzen“, beharrt Mosch. Hinter der randlosen Brille kommt wieder der Blick des Pragmatikers durch.

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