Auf dem Chefposten der Deutschen Rück
Arno Junke: Der Lückenfüller aus Düsseldorf

Zu einem Rückversicherer geht, wer in die Welt hinaus will. Schließlich versichern solche Unternehmen alles, was besonders gefährlich ist – weltweit: Wirbelstürme in der Karibik, Erdbeben in Japan oder Buschbrände in Australien. Auch Arno Junke hatte das im Kopf, als er in Köln Recht studierte. Doch dann kam alles ganz anders.

FRANKFURT. Junke heiratet Anfang der 90er-Jahre eine Düsseldorferin und startet bei Kölnischen Rück. Nur wenige Jahre später landet das Traditionsunternehmen zwar im Portfolio von Warren Buffett, dem legendären Lenker von Berkshire Hathaway. Doch was zunächst förderlich für eine internationale Karriere zu sein schien, entpuppt sich als Irrtum. Junke steigt zwar schnell in den Vorstand der Kölnischen Rück auf; im Gesamtkonzern bleibt er aber eine kleine Nummer – gegen die Amerikaner hat er ohnehin keine Chance, zumal als Spezialist für Deutschland.

Mit Mitte 40 sucht Junke dann nach Alternativen. Er landet zunächst bei der Münchener-Rück-Tochter Ergo. 2009 wechselt er auf den Chefposten der Deutschen Rück. Der Versicherer der Sparkassenversicherer aus Düsseldorf ist mit gut einer Mrd. Euro Prämien ein kleines Unternehmen – im Vergleich zur Branchenspitze oder den kapitalstarken Bermuda-Versicherern. Nicht jeden Versicherungsexperten zieht es jedoch zu Swiss Re, Münchener und Hannover Rück. Vorstände geraten dort schnell in Vergessenheit. Das ist bei Junke anders. Er füllt mit persönlicher Betreuung bewusst eine Lücke im deutschen Markt. Auch deshalb haben ihn die Chefs von Unternehmen wie Versicherungskammer Bayern, Provinzial und SV Sparkassenversicherung geholt. Die Deutsche Rück soll wachsen.

Dafür brauchten sie einen, der als „ausgezeichneter Fachmann“ in der Branche anerkannt ist. Mit seinem Spezialgebiet, der Schaden- und Unfallversicherung, passt Junke gut zu den Sparkassenversicherern, denn die sind die größten Wohngebäudeversicherer im Lande. Nach Stürmen, Regen und Überschwemmungen zahlen Provinzial & Co besonders viel.

Junkes Hauptaufgabe ist, einen Teil des Geschäfts der regional aufgestellten Versicherer in seine Bücher zu nehmen. Außerdem verteilt er die in der Sparkassenorganisation übernommenen Risiken intern so um, dass die Versicherungskammer Bayern im Zweifel auch für einen Sturm in Niedersachsen aufkommen muss. Risikostreuung nennen die Versicherer das.

Dem erfahrenen Rückversicherer reicht das aber noch nicht. Die Deutsche Rück hat in den vergangenen Jahren genug Kapital gesammelt, um selbst im Konzert der Großen ein wenig mit zu spielen. Junke darf deshalb sogar Erdbeben oder Wirbelstürme versichern, aber nur ganz wenig – zehn Mio. Euro vielleicht. Wenn die Summe ausfallen würde, bereitet dies keinem der Aktionäre aus dem Sparkassensektor schlaflose Nächte. Und wenn nicht, freuen sich alle über den Zusatzgewinn. Nebenbei füllt der Deutschland-Spezialist Junke so eine Lücke in seinem persönlichen Lebenslauf. Nun strebt er doch noch in die weite Welt hinaus.

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