Aufbruchstimmung in den USA: Finanzdienstleister stellen auf breiter Front Personal ein
Broker... verzweifelt gesucht

Finanzanalystin Tina Manthey kennt die Hölle des amerikanischen Arbeitsmarktes nur allzu gut aus eigener Erfahrung. Innerhalb von drei Jahren hatte sie viermal einen Pink-Slip bekommenen, wie die Kündigungsbriefe in den USA heißen. Am härtesten traf es sie Ende 2003, als sie bei Charles Schwab ihrem Team den massiven Stellenabbau des einstigen Wall-Street-Überfliegers erklären musste.

HB DÜSSELDORF. „Für 90 Prozent von Euch ist alles in Butter“, hatte sie optimistisch ihren Leuten zu verkünden. Und dabei machte sie gute Miene zum bösen Spiel. Denn sie wusste bereits, dass sie zu den anderen zehn Prozent gehörte. Mit diversen Jobs als Buchhalterin hielt sie sich über Wasser. Doch seit drei Monaten ist Manthey wieder in ihrem alten Metier und schuftet als Brokerin bei Gunn Allen Financials. „Das Angebot war einfach zu verlockend“, freut sie sich über ihren neuen Job.

Tina Manthey ist nicht die Einzige, die wieder in ihren vertrauten Beruf zurückgekehrt ist. Schon seit Jahresanfang zeichnet sich in den USA eine Erholung bei den Finanzdienstleistern ab. Führend sind vor allem die Investmentbanken und Brokerhäuser rund um die Wall Street. „Lower Manhattan erholt sich ganz eindeutig wieder. Sowohl wir, als auch die anderen Unternehmen im Finanzdistrikt suchen wieder qualifiziertes Personal“, erzählt Sunny Gazahi, Vize-Präsident bei Walnut Street Securities und Chef der Brokerabteilung.

Nach dem dramatischen Stellenabbau als Folge des 11. Septembers und dem anschließenden Börseneinbruch locken Wall Street und Finanzdienstleister wieder mit höheren Anfangsgehältern. „Um mindestens 10 bis 15 Prozent sind in den letzten Monaten in der Wirtschaft die Anfangsgehälter gestiegen“, hat Marc Rubin, Professor an der Wirtschaftsfakultät der Universität Miami, beobachtet.

Das passt in das Gesamtbild des gegenwärtigen US-Arbeitsmarktes, der seit 14 Monaten in Folge im Aufwind ist. In dieser Zeit wurden 2,2 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen – und damit fehlt nur noch eine halbe Million Stellen, um die Rezessionsverluste wieder wettzumachen.

Besonders gefragt sind derzeit Mitarbeiter bei den Finanzinstituten, deren Beschäftigungszahl insgesamt auf 8,1 Millionen gestiegen ist – das sind allein 100 000 mehr als im Oktober 2003. Am augenfälligsten sind die Neueinstellungen bei den großen Brokerhäusern. Merrill Lynch hat in diesem Jahr bereits 1 200 neue Positionen besetzt – quer über alle Hierarchieebenen. Und die wiedererstarkte Börse schafft zusätzlichen Bedarf. „Wir brauchen viele neue Topleute – und zwar sofort!“, fleht Merrill-Chef Stanley O'Neal. Auch Morgan Stanley sucht für praktisch alle Bereiche händeringend neues Personal.

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