Aufschwung
Deutsche Firmen in den USA zuversichtlich

Gute Stimmung bei deutschen Unternehmen in den USA: Die Krise haben sie zur Rationalisierung genutzt, nun rechnen sie mit einem Aufschwung. Sorgen bereiten aber protektionistische Tendenzen und der schwache Dollar. Wie sich die Firmen gegen dieses Risiko schützen.
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WASHINGTON. Deutsche Firmen in den USA haben sich in der Krise bislang gut behauptet und glauben für 2010 an einen Aufschwung. Mit weiteren Entlassungen rechnen sie nicht, 81 Prozent planen keinen Abbau von Stellen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern und des Delegierten der Deutschen Wirtschaft in Washington unter den rund 3 000 in den USA tätigen Firmen. Die Verbände haben die Unternehmen erstmals von der Beratungsgesellschaft Roland Berger befragen lassen, die Auswertung stützt sich auf Angaben von 160 Unternehmen.

Sorgen macht den Unternehmen zweierlei: Der Wechselkurs des Dollars zum Euro und mögliche protektionistische Tendenzen in den USA. Rund die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass sich die Talfahrt des Dollars fortsetzen wird. So versuchen zahlreiche deutsche Firmen, sich gegen dieses Risiko zu schützen.

Nach Angaben der Wirtschaftsverbände geschieht dies häufig durch sogenanntes "natural hedging", wie etwa der Eröffnung eigener Produktionsanlagen in den USA. "Wir produzieren auch hier vor Ort in den USA. Deshalb gleichen sich die Wechselkursschwankungen zumindest zum Teil aus", sagt Robert Wild, Geschäftsführer des Kabelherstellers Niehoff-Endex North America Inc., der in New Jersey rund 30 Mitarbeiter beschäftigt.

"Buy America" bleibt ein Thema

Die Angst vor Protektionismus speist sich mehr aus Ahnungen, denn aus tatsächlich spürbaren Hindernissen. Ein Viertel der befragten Unternehmen glaubt, dass die USA künftig stärker den Zugang zu ihrem Markt abschotten werden.

Für diese Annahme spielt auch eine Rolle, dass die Regierung bislang nur halbherzig gegen die "Buy America"-Klausel vorgegangen ist, die in das 787 Milliarden Dollar schwere Konjunkturgesetz am Anfang dieses Jahres aufgenommen wurde. Gerade vor dem Hintergrund der wachsenden Arbeitslosigkeit in den USA halten es die deutschen Geschäftsleute deshalb für möglich, dass Washington hier die Zügel stärker anzieht.

Stabiles Marketingsbudget belegt Zuversicht

Gerade mittelständisch geprägte Firmen regierten der Studie zufolge flexibel auf die Krise. Sie mussten 2009 zwar Mitarbeiter entlassen. Doch nutzten sie die Rezession auch dazu, ihre Produktion zu rationalisieren und Innovationen auf den Markt zu bringen. Dass sie offensiv in das neue Jahr gehen wollen, belegen die Planungen beim Marketing: Wurde das Werbebudget 2009 um 20 Prozent gekürzt, so scheint das Sparen auf diesem Gebiet zum Ende zu kommen.

Beim Zugang zu Krediten stießen die Unternehmen trotz der Turbulenzen auf dem Finanzmarkt auf keine größeren Schwierigkeiten. So berichteten die Firmen über stabile Bedingungen bei der Kreditvergabe.

Die 3 000 in den USA tätigen deutsche Firmen kommen auf Gesamtinvestitionen von etwa 212 Milliarden Dollar. Sie beschäftigen 664 000 Arbeitnehmern, davon 240 000 im produzierenden Gewerbe.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

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