Aufseher der Daimler-Tochter zieht personelle Konsequenzen aus Rückrufskandal
Fuso-Chairman tritt zurück

Der Skandal um eine Unfallserie wegen Fehlern an einer Radnabe beim japanischen Daimler-LKW-Hersteller Fuso zieht immer weitere Kreise. Als Konsequenz aus Vorwürfen, der Hersteller habe jahrelang einen notwendigen Rückruf verzögert, erklärte der oberste Aufseher und frühere Chef des damals noch zum Mitsubishi Motors (MMC) gehörenden japanischen Lkw-Bauers, Takashi Usami, seinen sofortigen Rücktritt.

hz/Reuters TOKIO. Ein Nachfolger stehe bislang noch nicht fest, hieß es. Der Fuso-Präsident und CEO, Wilfried Porth, werde dagegen im Amt bleiben.

Vier Jahre nach einem Vertuschungs-Skandal des alten Mutterkonzerns MMC droht damit jetzt auch deren ehemaliger LKW-Tochter Fuso ein Rückrufdesaster. Die Regierung wirft dem Hersteller vor, Prüfaktionen zu lange hinausgezögert zu haben. Nach japanischen Medienberichten ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ehemalige Führungskräfte von MMC wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Fuso wird seit Jahren vorgeworfen, dass die Radnaben fehlerhaft seien. Das Unternehmen hatte stets argumentiert, es handle sich um Wartungsfehler. Erst 2002 ersetzte Fuso freiwillig bei 75 000 LKWs die Radnaben, bevor das Unternehmen im März 2004 bis zu 100 000 Fahrzeuge in die Werkstätten rief. Ausgelöst wurden die Aktionen durch einen Unfall 2002, bei dem eine Frau ums Leben gekommen und ihre beiden Kinder verletzt worden waren. Inzwischen wurden mehr als 50 Unfälle bekannt.

Der Fall drückt auf das Image von Fuso, dem bisher einzigen Lichtblick von Daimler-Chrysler in Asien. Zudem gibt er der Marke Mitsubishi, unter deren Logo Fuso fährt, einen weiteren Dämpfer. Vor allem die lange Zeitverzögerung, bis der Hersteller einen möglichen Konstruktionsfehler eingestand, weckt in Tokio Erinnerungen an den Qualitätsskandal des Ex-Mutterkonzerns. Vor vier Jahren gab MMC zu, Kundenbeschwerden über Qualitätsmängel unter den Teppich gekehrt zu haben. Das Unternehmen rief damals zwei Millionen Autos zurück. Noch heute leidet MMC auf seinem Heimatmarkt an den Imagefolgen. Das Unternehmen ist zu 37 % in Daimler-Hand und Minderheitsaktionär von Fuso. Der LKW-Hersteller wurde 2003 von Mitsubishi abgespalten. Daimler hatte zunächst 43 % übernommen und seinen Anteil kürzlich auf 65 % aufgestockt.

Die krisengeschüttelte MMC könnte einem Pressebericht zufolge nach einer möglichen Mehrheitsübernahme durch Daimler ihre Modellpalette deutlich zusammenstreichen. Demnach würden von derzeit 20 Modellen nur noch die Hälfte übrig bleiben. Nach einer Vorstandssitzung am heutigen Montag soll der Daimler-Aufsichtsrat am Donnerstag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommen, hieß es.

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