Aufsichtsrat berät Müller-Nachfolge
Commerzbank vor Führungswechsel

Wenn sich der Aufsichtsrat der Commerzbank am Dienstagvormittag versammelt, steht Kreisen zufolge die Benennung eines Nachfolgers für Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller ganz oben auf der Agenda. Wer die Führung übernimmt, ist auch schon ausgemachte Sache.

hgn/HB FRANKFURT. Seit Monaten gilt als sicher, dass der 44-jährige Blessing mit der Hauptversammlung 2008 auf den Chefsessel von Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus rückt. Hintergrund ist, dass der amtierende Bankchef Klaus-Peter Müller seinen Posten vorzeitig räumt, um Vorsitzender des Aufsichtsrats zu werden. Dieser wird bislang von Martin Kohlhaussen geleitet, der mit bald 72 Jahren aber demnächst die Altersgrenze erreichen wird. Der 63-jährige Müller wird deshalb seinen eigentlich bis zum Jahr 2010 laufenden Vertrag vorzeitig auflösen, um den Posten des Chefkontrolleurs zu übernehmen.

Am Dienstag werde nun der Aufsichtsrat der Commerzbank Blessing offiziell zum künftigen Vorstandssprecher küren, sagten mehrere Insider. "Es läuft alles darauf hinaus." Auch dessen Nachfolge sei bereits gelöst. So solle Markus Beumer, der bislang unterhalb der Vorstandsebene das Firmenkundengeschäft leitet, auf Blessings Posten wechseln. Darüber hinaus sei geplant, dass Frank Annuscheit in den Vorstand aufrücke. Der frühere Deutsch-Banker verantwortet bereits als "Group Chief Information Officer" die konzernweite technische Infrastruktur. Damit würde das oberste Management-Gremium nach dem Ausscheiden Müllers künftig neun und nicht acht Mitglieder umfassen.

Die Commerzbank lehnte am Freitag eine Stellungnahme ab. Zugleich kündigte die Bank aber an, die Veröffentlichung ihrer Quartalszahlen vom kommenden Mittwoch auf Dienstag vorzuziehen. In Branchenkreisen hieß es, die Verschiebung sei kein Hinweis auf neu aufgetauchte Risiken im Zuge der US-Hypothekenkrise. Die Commerzbank hat hierfür bereits Belastungen von insgesamt 80 Mill. Euro angekündigt, zuletzt aber eingeräumt, diesen Wert zu überschreiten. Analysten von JP Morgan erwarten 180 Mill. Euro, andere Häuser sogar noch mehr.

Wäre die Commerzbank zuletzt allerdings auf drastische Überraschungen gestoßen, hätte sie dies umgehend per Pflichtmitteilung den Investoren bekannt machen müssen. Grund der Verschiebung könnte deshalb vielmehr sein, dass am Mittwoch auch der Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate sein Zahlenwerk präsentiert und die Frankfurter deshalb für eine Entzerrung sorgen wollten. Auch waren in der Vergangenheit mehrfach Quartalszahlen der Commerzbank vorab durchgesickert. Indem die Bank Verkündung der Zahlen und Aufsichtsratssitzung nun auf den selben Tag legt, wird hier das Risiko reduziert.

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