Aufsichtsrat
Der neue Kontrolleur der Deutschen Bank

Er kommt aus der Ruhrindustrie, war zuvor Vorstand bei Haniel: Jetzt soll Klaus Trützschler den neuen Vorstand der Deutschen Bank kontrollieren und gilt als Kandidat für den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats.
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DuisburgAls der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Clemens Börsig, ihn fragte, ob er sich vorstellen könne, während der heutigen Hauptversammlung für das Kontrollgremium der Frankfurter zu kandidieren, war Klaus Trützschler überrascht - sehr sogar. Zwar kennt er Börsig schon lange. Der 63-Jährige war Vorstand bei der damaligen RAG AG, als Börsig 1997 zum Finanzchef von RWE, ebenfalls einer der großen Ruhrkonzerne, berufen wurde. Aber Banken? Das war bislang nicht sein Terrain.

Doch der Wirtschaftsmathematiker, der sich Ende April nach mehr als elf Jahren aus dem Vorstand des Mischkonzerns Haniel verabschiedete, bringt das mit, wonach die Deutsche Bank sucht: Er kennt sich mit Bilanzierung aus. Was für viele öde Zahlenschieberei ist, begleitet Trützschler sein ganzes Berufsleben: das Controlling. Er lehrt auch als Honorarprofessor an der Universität Münster.

Zieht Trützschler heute in den Aufsichtsrat ein, wovon auszugehen ist, könnte er einen Platz im mächtigen Prüfungsausschuss einnehmen. Dann wird er in Zukunft nicht nur die Rechnungslegung, sondern auch das Risikomanagement überwachen. In Zeiten der Finanz- und Euro-Krise ein Minenfeld in Deutschlands größtem Geldhaus.

In der Vergangenheit hat sich die Deutsche Bank zig Schadensersatzklagen eingehandelt. Viele Prozesse stehen in Verbindung mit dem Zusammenbruch des Immobilienmarkts in den USA. Auch die Verhandlungen über einen 800 Millionen Euro schweren Vergleich mit den Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch scheiterten - das Problem wartet weiter auf eine Lösung.

Bei der neuen Aufgabe bekommt Trützschler Unterstützung eines weiteren Experten: Mit ihm tritt heute der neue Aufsichtsratschef Paul Achleitner an. Er war bisher Finanzvorstand der Allianz.

Von Achleitner erwartet Trützschler, dass er frühzeitig einen Ersatz für den ebenfalls neuen Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen, der 2015 aufhört, findet. Die kontroverse Diskussion über den gebürtigen Inder Anshu Jain an der Spitze des Instituts kann Trützschler nicht recht nachvollziehen. Für ihn ist klar: Nimmt eine Bank für sich in Anspruch, global tätig zu sein, sollte das auch für alle Positionen gelten.

Trützschler ist ein Kind des Ruhrgebiets. Geboren in Recklinghausen, zog es den Vater von zwei Kindern zwar für Studium und Promotion quer durch Deutschland: Würzburg, Freiburg, Bonn, München. Im Job aber blieb er der Heimat treu. Seine erste Station führte ihn 1977 zur Ruhrkohle AG, später RAG in Essen. Dort blieb er fast 24 Jahre lang. Danach ging es nach Duisburg: als Vorstand zu Haniel. Ausgleich findet Trützschler beim Golfen oder Skifahren - er macht regelmäßig Sport und versucht, auch andere von der Wichtigkeit zu überzeugen.

Und Trützschler weiß, wie es ist, Interessen zu bündeln. In den Jahren bei Haniel musste er als Vorstand rund 650 Gesellschafter, die nicht immer einer Meinung sind, einen. Er gilt als sachlicher Kollege und Vorgesetzter, wenig emotional. In der zuletzt von Machtkämpfen gebeutelten Deutschen Bank helfen ihm diese Eigenschaften.

Erst kürzlich hielt er auf einem Seminar für angehende Aufsichtsräte einen Vortrag. Das Thema: "Zusammenarbeit von Vorstand und Aufsichtsrat: Voraussetzung, Organisation, Erfahrungen, Verbesserungspotenzial". Für Trützschler ist die Kandidatur eine große Ehre. Eins jedoch macht ihm zu schaffen: Er wäre bei Haniel lieber in besseren Zeiten gegangen. Das Unternehmen ist hochverschuldet, die Beteiligungen Metro und Celesio schwächeln. Aber auch für Trützschler gilt, was der (Noch-)Haniel-Chef Jürgen Kluge auf ihrer letzten Bilanzpressekonferenz sagte: "There is a life after Haniel."

Kirsten Ludowig
Kirsten Ludowig
Handelsblatt / Stellvertretende Ressortleiterin Unternehmen & Märkte

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