Aufsichtsrat für Verlängerung der Amtszeit
Daimler will Schrempp an der Spitze halten

Der Aufsichtsrat des Autobauers Daimler-Chrysler will offenbar Konzernchef Jürgen Schrempp zu einer Verlängerung seiner im April 2005 auslaufende Amtszeit bewegen. Der Nachfolger vom Daimler-Chrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp wird damit aller Voraussicht nach Schrempp heißen.

HB STUTTGART. „Die Stimmung unter den Aufsichtsratsmitgliedern tendiert in diese Richtung“, hieß es am Mittwoch in Kreisen des Gremiums. Der langjährige Daimler-Chrysler-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper sagte dem „Wall Street Journal Europe“, er spüre „sanften Druck im Aufsichtsrat, Jürgen (Schrempp) dahin zu beeinflussen, länger zu bleiben“. Auch Schrempp denkt offenbar noch nicht ans Aufhören: „Wenn der Aufsichtsrat mich fragt, dann werde ich darüber nachdenken müssen. (...) Ich bin in Top-Form. Was ich tue, tue ich gern. Das ist mein Leben“, sagte er. Ein Daimler-Chrysler-Sprecher sagte, das Unternehmen könne sich zu den Entscheidungen des Aufsichtsrats nicht äußern.

Formell kann der Aufsichtsrat frühestens ein Jahr vor Ablauf der Amtszeit über eine Vertragsverlängerung entscheiden, also nach der Hauptversammlung 2004. Auch Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sprachen sich dem Zeitungsbericht zufolge für einen Verbleib Schrempps aus, der 1995 an die Spitze des damaligen Daimler-Benz-Konzerns rückte und nach der Fusion mit Chrysler 1998 auch Vorstandschef der Daimler-Chrysler AG blieb. In der Konzernzentrale war trotz der öffentlichen Kritik an der Strategie Schrempps, durch die Fusion mit Chrysler und den Einstieg bei Mitsubishi Motors einen weltweit und in allen Modellklassen vertretenen Autokonzern zu schaffen, nicht mit einem vorzeitigen Abschied des Vorstandschefs gerechnet worden.

Eine volle Amtsperiode von fünf Jahren wird Schrempp, der 2004 60 Jahre alt wird, aber wohl nicht absolvieren. Ende vergangenen Jahres hatte der Daimler-Chrysler-Aufsichtsrat eine neue Regelung eingeführt, nach der Verträge von Vorständen nach dem 60. Lebensjahr in der Regel jeweils nur um ein Jahr verlängert werden. Das stünde aber etwa einem Zweijahresvertrag für Schrempp nicht im Wege, hieß es in Unternehmenskreisen.

Branchenkenner gehen davon aus, dass sich der Aufsichtsrat nach der Hauptversammlung 2004 rasch mit der Personalie Schrempp beschäftigt. Denn erst nach der Entscheidung über den Chefposten soll der Nachfolger für Mercedes-Chef Jürgen Hubbert ausgewählt werden, der im April 2005 mit dann 65 Jahren definitiv in den Ruhestand geht. Beide Positionen - die Schrempps und Hubberts - gleichzeitig neu zu besetzen, wäre dem Aufsichtsrat ohnedies zu risikoreich, auch das sei ein Argument für eine Vertragsverlängerung Schrempps, heißt es in der Branche.

Seite 1:

Daimler will Schrempp an der Spitze halten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%