Aufsichtsrat will mehr Zeit
WestLB-Interimschef womöglich länger im Amt

Die angeschlagene WestLB könnte nach Angaben aus Kreisen der Bank länger als bisher vermutet vom amtierenden Interimschef Johannes Ringel geführt werden. NRW-Finanzminister Jochen Dieckmann (SPD) sagte am Mittwoch in einer aktuellen Stunde des Düsseldorfer Landtages mit Blick auf die künftige Strategie der Bank, die WestLB dürfe nicht ihrer internationalen Präsenz beraubt werden.

Reuters DÜSSELDORF. In Londoner Bankreisen hieß es, Ringel solle das Institut durch die schwierige Umbruchphase führen und damit den Gremien der WestLB genügend Zeit für die Suche nach einem geeigneten Nachfolger für den vor anderthalb Wochen zurückgetretenen Jürgen Sengerea zu finden. „Ringel wird bei (der Aufsichtsratssitzung am Dienstag) offiziell gebeten werden, so lange an der Spitze zu bleiben, bis die Untersuchungsphase abgeschlossen ist und darüber hinaus, und er soll auch bei der Suche nach der künftigen Strategie der Bank helfen“, hieß es.

Aus der Düsseldorfer Konzernzentrale verlautete dazu, es sei nicht auszuschließen, dass Ringel sechs Monate oder länger als Interimschef agieren werde. „Das gibt dem Aufsichtsrat die erforderliche Zeit, um eine geeignete Persönlichkeit ausfindig zu machen, die die Bank ins Jahr 2005 und darüber hinaus führen kann, ob dies nun sechs Monate dauern sollte oder ein Jahr“, hieß es in London.

Der frühere Vorstandschef Jürgen Sengera hatte als Konsequenz aus der Kritik der Bankenaufsicht an der Risikokontrolle der Bank seinen Posten geräumt. Neben Sengera hatte auch der für den zuletzt verlustträchtigen Geschäftsbereich Strukturierte Finanzierungen verantwortliche Vorstand Andreas Seibert den Hut nehmen müssen. Im Geschäftsjahr 2002 hatte die WestLB wegen hoher Verluste bei Auslandsengagements einen Verlust von 1,7 Milliarden Euro eingefahren. Ein weiterer hoher Risikovorsorgebedarf in diesem Jahr ist nicht ausgeschlossen. Der „Spiegel“ hatte jüngst unter Berufung auf Banker spekuliert, dass womöglich zusätzliche Rückstellungen von bis zu 1,5 Milliarden Euro drohen könnten.

Sengeras kommissarischer Nachfolger ist der 61-jährige Ringel. Der studierte Volkswirt stieß bereits 1969 zur WestLB und wurde 1987 in den Vorstand der damaligen Westdeutschen Landesbank Girozentrale berufen.

Finanzminister Dieckmann sagte, die Landesregierung sei in „großer Besorgnis“ um die WestLB. Der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen CDU, Jürgen Rüttgers forderte Konsequenzen aus der Krise: „Derzeit kann es keinerlei Entlastung für die handelnden Personen in den Gremien der Bank geben“, sagte er.

Zur künftigen Ausrichtung der Bank sagte Dieckmann, die Politik dürfe „keinen Masterplan machen, den wir über die WestLB stülpen.“ Die Strategie sei Sache der Bank. „Die Arbeit des Vorstandes ist auf gutem Wege, sie muss aber beschleunigt werden. Wir brauchen relativ bald klare Aussagen.“ Der Minister versicherte, dass die Landesregierung durch die Bank informiert werde. „Wir werden alle Risiken offengelegt bekommen und alle Verantwortlichen benennen.“ Dieser Prozess habe am Montag vor anderthalb Wochen begonnen.

Am Dienstagnachmittag will der Aufsichtsrat der Bank bei seiner ersten Sitzung seit dem Rücktritt Sengeras den jüngsten Sonderprüfungsbericht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erörtern und über den weiteren Kurs der Bank beraten. Interimschef Ringel wollte dem Aufsichtsrat nach Angaben aus Bankkreisen deutlich machen, dass das internationale Geschäft der Bank ein wesentlicher Bestandteil der Geschäftsstrategie bleiben müsse. Allerdings werde Ringel wohl die bereits von Sengera angedeutete Einschränkung machen, dass die Aktivitäten der WestLB in Asien und Südamerika zu Gunsten der Europageschäfte zurückgefahren werden sollten, hieß es.

Aus den Reihen der beteiligten Sparkassen war zuletzt der Ruf nach einer Rückbesinnung auf das Kerngeschäft der WestLB laut geworden. Ringel will den Sparkassen hier offenbar entgegenkommen. Er werde den 20 Aufsichtsratsmitgliedern zusichern, dass die Funktion der Bank als Sparkassenzentralbank ausgebaut werden solle, hieß es in den Kreisen. Zugleich werde er für eine stärkere regionale Ausrichtung der Bank plädieren.

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